Donnerstag, 17. Mai 2018

Rezension zu "Sag den Wölfen, ich bin zu Hause" von Carol Rifka Brunt

Zum Buch

Verlust und Erinnerung…

New York im Jahr 1987: Für die 14-jährige June Elbus ist ihr Patenonkel Finn der einzige Mensch, von dem sie sich verstanden fühlt. In der Schule ist sie eher eine Einzelgängerin und von ihrer älteren Schwester Greta wird sie nicht wirklich ernst genommen. Daher fühlt sie sich nur in Finns Gesellschaft wirklich wohl. Doch als dieser plötzlich und viel zu jung an einer Krankheit stirbt, bricht für June eine Welt zusammen. Auf der Beerdigung bemerkt sie einen schüchternen, jungen Mann, der alles aus dem Hintergrund verfolgt. Ein paar Tage später erhält June ein Päckchen – darin eine Teekanne die Finn gehörte, zusammen mit einer Nachricht von Toby, dem fremden Mann. Sie scheint mit ihrer tiefen Trauer um Finn nicht allein zu sein. Zuerst begegnet sie Toby mit großem Misstrauen, doch nach und nach entwickelt sich eine zarte Freundschaft…


„Für einen kurzen Augenblick, der vielleicht so lang währte wie ein Sandkorn im Stundenglas oder ein Tropfen in einem undichten Wasserhahn, trafen sich unsere Blicke, und Finn, mein Onkel Finn, durchschaute mich – zack – einfach so. In diesem winzigen Sekundenbruchteil erkannte er, dass ich Angst hatte.“ – Seite 16, eBook


Auf dieses Buch war ich im Vorfeld schon sehr gespannt – die Handlung erzählt die Geschichte der 14-jährigen June, die ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Patenonkel hatte – nach dessen Tod gerät ihr Leben aus den Fugen, die Trauer ist groß und sie fühlt sich von ihrer Familie nicht wirklich verstanden. Dann lernt sie Toby kennen, der genau so um Finn trauert wie sie selbst…
Der Roman fesselt von Anfang an – in der Ich-Perspektive aus Junes Sicht geschrieben wird die traurige Atmosphäre sofort spürbar, auch das Feingefühl ist unheimlich gut gelungen. Neben den aktuellen Geschehnissen gibt es auch immer wieder kleine Rückblicke in die Vergangenheit, wo June sich an gemeinsame Unternehmungen mit Finn erinnert. Im Laufe der Handlung werden auch einige Geheimnisse gelüftet und Missverständnisse aufgeklärt – es wird mal traurig und emotional, aber auch packend. Auch das schwierige Verhältnis zu Junes älterer Schwester spielt eine zentrale Rolle. Mir hat der atmosphärisch dichte Verlauf sehr gut gefallen. Auch erfährt man, was es mit dem Buchtitel Sag den Wölfen, ich bin zu Hause auf sich hat.


Ich versprach es. Dann drückte er fest meine Hand, ließ mich los und lächelte mich an. „Genau das wünsche ich mir für dich“, sagte er. „Ich will, dass du nur die aller-, allerbesten Menschen kennenlernst.“ – Seite 58, eBook


Mein Fazit: Ein großartiges Buch, das eine besondere Geschichte erzählt. Von Anfang an hat mir der atmosphärisch dichte Verlauf sehr gefallen – es wird emotional und auf gewisse Weise auch packend. Die Charaktere sind unheimlich stark beschrieben - vor allem June, die Hauptfigur beeindruckt. Manches bleibt anfangs noch geheimnisvoll, was aber nach und nach aufgeklärt wird. Ein sehr lesenswertes Debüt, das eine besondere Tiefe hat!


Meine Bewertung: 



 
Titel: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause
Autorin: Carol Rifka Brunt
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 448
Verlag: Eisele
Erstveröffentlichung: 13. Februar 2018


Vielen Dank an den Eisele-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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