Sonntag, 29. Juli 2018

Rezension zu "Underground Railroad" von Colson Whitehead

Zum Buch

Die Flucht über die Underground Railroad

Die junge Frau Cora ist eine der unzähligen Sklaven, die auf einer großen Baumwollplantage in  Georgia unter schrecklichen Bedingungen schuften. Ihr Leben ist geprägt von Entbehrungen und Gewalt. Alle träumen von der Flucht und der Freiheit – doch dieses scheint aussichtslos, so auch für Cora. Bis eines Tages Caesar, ebenfalls Sklave auf der Plantage, auf sie zukommt. Er erzählt ihr von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Schließlich wagen sie die gefährliche Flucht, die sie zunächst durch eine Falltür in den Untergrund führt. Für Cora beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Reise, die sie an viele Orte führt und manchmal auch an ihre Grenzen bringt. Wartet am Ende wirklich die Freiheit auf sie?



„Die Underground Railroad – Caesar war nicht untätig geblieben. Operierte sie wirklich so tief im Innern von Georgia? Der Gedanke an Flucht überwältigte Cora.“ – Seite 64


Dieses Buch wollte ich schon lange lesen. Es ist eine sehr bewegende Geschichte, in dem der Autor die damalige Sklaverei schonungslos mit all seinen Schrecken schildert. Ohne etwas zu beschönigen wird hier der Alltag der Sklaven geschildert, der furchtbarer nicht sein kann. Im Mittelpunkt steht die junge Frau Cora, die in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt hat. Dann kommt ihr Leidensgenosse Caesar auf sie zu und sie planen ihren Weg in die Freiheit.
Für ihre Flucht nutzen Cora und Caesar die Underground Railroad – ein Fluchthilfenetzwerk, das den Sklaven auf der Flucht aus den Südstaaten Unterstützung gewährte. Es war ein informelles Netzwerk mit geheimen Routen, Helfern und geheimen Unterkünften. Das besondere hier in dem Roman: Colson Whitehead macht aus der Underground Railroad tatsächlich eine unterirdisches Eisenbahnnetz, das sich weit erstreckt. Doch auch wie es Cora nach der Flucht ergeht, ist spannend zu verfolgen – man hofft als Leser, dass sie endlich ein glückliches und freies Leben führen kann. Doch wird ihr Traum von Freiheit in Erfüllung gehen?
Der Schreibstil ist direkt und klar. Jedoch habe ich mich an manchen Stellen im Buch etwas schwer getan – das lag daran, dass es manchmal etwas zäh, aber auch manche Tatsachen unheimlich schockierend waren. Aber auch wenn die Geschichte dem Leser einiges abverlangt, ist sie fesselnd – denn das Schicksal lässt einen bis zum Ende nicht mehr los. Hier wurden die historischen Ereignisse sehr gut in den Roman eingefügt, der ungefähr am Anfang des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist.


Er spähte zwischen den Lücken im Holz hindurch. „Wenn man sehen will, was es mit diesem Land auf sich hat, sage ich immer, dann muss man auf die Schiene. Schaut hinaus, während ihr hindurchrast, und ihr werdet das wahre Gesicht Amerikas sehen.“ Als Signal  schlug er mit der flachen Hand gegen die Wand des Güterwagens. Der Zug ruckte vorwärts. – Seite 85/86


Mein Fazit: Ein aufwühlendes Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Klar und direkt erzählt der Autor das Schicksal einer jungen Frau, die sich den Weg aus der Sklaverei in die Freiheit erkämpft. Zwar ist es zum Teil schwere Kost, besonders am Anfang – jedoch auch sehr lesenswert. Eine wichtige, ernste Geschichte, in der historische Fakten gut in den Roman eingewoben wurden und noch lange nachhallt. 


Meine Bewertung: 




Titel: Underground Railroad
Autor: Colson Whitehead
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 352
Verlag: Hanser

2 Kommentare:

  1. Liebe Nicole, das klingt nach einem unbequemen, aber wichtigen und lesenswerten Buch!
    Viele Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,

      genau - es ist ein erschütterndes, aber wichtiges und lesenswertes Buch.

      Liebe Grüße
      Nicole

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