Mittwoch, 29. August 2018

Rezension zu "Der Junge auf dem Berg" von John Boyne

Zum Buch

Gefährliche Macht

Im Jahr 1936: Der siebenjährige Pierrot wächst bei seiner Mutter in Paris auf. Seinen Vater, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs nie überwunden hat, hat er schon vor Jahren verloren. Als schließlich auch seine Mutter stirbt, nimmt ihn seine Tante Beatrix bei sich auf. Diese arbeitet als  Hausdame in einem deutschen Haushalt und für Pierrot ist das große Haus auf dem Berg von nun an sein neues Zuhause. Doch alle merken, dass es keine gewöhnliche Zeit ist – denn der Zweite Weltkrieg steht kurz bevor. Auch das Haus ist kein gewöhnliches – denn es ist Hitlers Sommerresidenz.
Schon einige Zeit nach seiner Ankunft lernt Pierrot den Führer kennen und gerät mit erschreckender Geschwindigkeit unter dessen Einfluss. In den folgenden Jahren ist er erpicht darauf, ihm seine Treue zu beweisen und ist bereit, alles dafür zu tun – auch Verrat…



Nachdem ich vor zwei Jahren Der Junge im gestreiften Pyjama gelesen habe und dieses Buch mir immer noch im Gedächtnis geblieben ist, war ich neugierig auf Der Junge auf dem Berg. Hier steht ebenfalls ein Kind im Mittelpunkt, aus dessen Sicht die Geschichte auch erzählt wird. Den anfangs siebenjährigen Pierrot, dessen Mutter Französin und der Vater Deutscher war, schließt man sofort ins Herz – er ist ein herzlicher und hilfsbereiter Junge. Doch als er nach dem Tod seiner Eltern zu seiner Tante Beatrix, die Hausdame im Berghof ist, und er somit im Haushalt von Hitler lebt, macht er eine Veränderung durch. Diese ist sehr erschreckend zu verfolgen – als Leser fragt man sich, wo der Junge vom Anfang geblieben ist. Doch Pierrot gerät immer mehr unter Hitlers Bann.
Der Schreibstil ist flüssig und gibt die Geschehnisse klar wieder – und diese werden von Seite zu Seite beklemmender – vor allem Pierrots Lebensverlauf, den man über mehrere Jahre verfolgen kann, ist mehr als Überraschend. Wie schon im Roman Der Junge im gestreiften Pyjama bekommt man einen Einblick in die damalige, tiefdunkle Zeit. Hier gibt es sogar kurz eine Verbindung  zu dem  Roman. Dieses Buch ist sehr gut geschrieben und regt zum Nachdenken an.


„Er sagt, er bringt Licht in die Köpfe der Deutschen – dabei ist er die Finsternis im Herzen der Welt.“ – Seite 203


Mein Fazit: Ein gelungener und gleichzeitig erschreckender Roman, der zum Nachdenken anregt. John Boyne beschreibt hier die Wandlung eines Kindes, wie man sie sich nicht vorstellen mag. Es gibt einen beklemmenden Einblick in die damalige, schreckliche Zeit und die Handlung überrascht in seinem Verlauf. Ein berührendes Buch, das man nicht so schnell vergisst und sehr lesenswert ist. 


Meine Bewertung: 




Titel: Der Junge auf dem Berg
Autor: John Boyne
Genre: Jugendroman / Drama
Seitenanzahl: 304
Verlag: Fischer KJB
Erstveröffentlichung: 2017


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