Donnerstag, 30. August 2018

Rezension zu "Wir sind dann wohl die Angehörigen" von Johann Scheerer

Zum Buch


Die Geschichte einer Entführung

Am 25. März 1996 änderte sich das Leben des damals dreizehnjährigen Johann Scheerer auf dramatische Weise – an diesem Morgen teilte seine Mutter ihm mit, dass sein Vater Jan Philipp Reemtsma entführt wurde. Unter Schock versuchte der Junge, diese unfassbare Nachricht zu verarbeiten. Die Stunden des Wartens, zwischen Bangen und Hoffen wurden unerträglich. Niemand rechnete damals damit, dass dieser Zustand 33 Tage anhalten würde.
Hier beschreibt Johann Scheerer auf ganz eigene Art, wie er als dreizehnjähriger Teenager die damaligen Wochen der Entführung erlebt hat.




„Es schien mir absurd. Mein Vater entführt? Warum? Zwanzig Millionen. Was war das für eine Zahl? Meine Mutter hatte mit dem Finger über die Nullen fahren müssen, um die Zahl zu begreifen.“   – Seite 14


In seinem Buch Wir sind dann wohl die Angehörigen erzählt Johann Scheerer, wie im Jahr 1996 die Entführung seines Vater Jan Philipp Reemtsma erlebte. Neben der großen Angst, seinen Vater vielleicht nicht mehr lebend wieder zu sehen, schildert er detailreich verschiedene Situationen und wie er in diesen bestimmten Stunden empfand. Es wird sehr berührend – man bekommt einen guten Einblick in die schreckliche Situation, die so unglaublich erscheint. Neben den damaligen Ereignissen erzählt Johann Scheerer auch etwas aus seinem Leben – wie er aufgewachsen ist, wie sein Verhältnis zu seinem Vater in der Kindheit war und wie er ihn wahrgenommen hat.
Bedrückend sind auch die Briefe, die Reemtsma  während seiner Gefangenheit an seinen Sohn und seine Frau schrieb – auch hier bekommt man sehr persönliche Einblicke.
Viele Details der Entführung erfuhr Johann laut diesem Buch erst viel später. Der Schreibstil ist klar und gut gewählt – als Leser geht einem diese Geschichte sehr nahe.


„Das verheimlichte Foto. Der Panikbrief. Von alldem wusste ich damals noch nichts. Ich spürte nur die angespannte Situation zwischen allen im Haus und mir. Ich wusste, dass im Hintergrund mehr passierte, als ich mitbekam, hatte aber Angst vor den Details. Angst, dass sie zu schrecklich waren, aber vor allem Angst, dass ich nichts damit würde anfangen können." – Seite 116


Mein Fazit: Ein bewegendes Buch, in dem Johan Scheerer von den dramatischen Ereignissen der Reemtsma-Entführung berichtet. Er beschreibt hier sehr genau, wie er diese unwirkliche Zeit zwischen Hoffnung und Angst erlebt hat und gibt einen Einblick in diese 33 Tage, die sein Leben für immer veränderten. Sehr lesenswert.


Meine Bewertung:




Titel: Wir sind dann wohl die Angehörigen - Die Geschichte einer Entführung
Autor: Johann Scheerer
Genre: Sachbuch / Bericht
Seitenanzahl: 240
Verlag: Piper

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