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Die Geschichte einer Entführung
Am 25. März 1996 änderte sich das Leben des damals dreizehnjährigen
Johann Scheerer auf dramatische Weise – an diesem Morgen teilte seine Mutter
ihm mit, dass sein Vater Jan Philipp Reemtsma entführt wurde. Unter Schock versuchte
der Junge, diese unfassbare Nachricht zu verarbeiten. Die Stunden des Wartens,
zwischen Bangen und Hoffen wurden unerträglich. Niemand rechnete damals damit,
dass dieser Zustand 33 Tage anhalten würde.
Hier beschreibt Johann Scheerer auf ganz eigene Art, wie er
als dreizehnjähriger Teenager die damaligen Wochen der Entführung erlebt hat.
„Es schien mir absurd. Mein Vater entführt? Warum? Zwanzig Millionen. Was war das für eine Zahl? Meine Mutter hatte mit dem Finger über die Nullen fahren müssen, um die Zahl zu begreifen.“ – Seite 14
In seinem Buch Wir sind dann wohl die Angehörigen erzählt
Johann Scheerer, wie im Jahr 1996 die Entführung seines Vater Jan Philipp
Reemtsma erlebte. Neben der großen Angst, seinen Vater vielleicht nicht mehr
lebend wieder zu sehen, schildert er detailreich verschiedene Situationen und
wie er in diesen bestimmten Stunden empfand. Es wird sehr berührend – man
bekommt einen guten Einblick in die schreckliche Situation, die so unglaublich
erscheint. Neben den damaligen Ereignissen erzählt Johann Scheerer auch etwas
aus seinem Leben – wie er aufgewachsen ist, wie sein Verhältnis zu seinem Vater
in der Kindheit war und wie er ihn wahrgenommen hat.
Bedrückend sind auch die Briefe, die Reemtsma während seiner Gefangenheit an seinen Sohn
und seine Frau schrieb – auch hier bekommt man sehr persönliche Einblicke.
Viele Details der Entführung erfuhr Johann laut diesem Buch
erst viel später. Der Schreibstil ist klar und gut gewählt – als Leser geht
einem diese Geschichte sehr nahe.
„Das verheimlichte Foto. Der Panikbrief. Von alldem wusste ich damals noch nichts. Ich spürte nur die angespannte Situation zwischen allen im Haus und mir. Ich wusste, dass im Hintergrund mehr passierte, als ich mitbekam, hatte aber Angst vor den Details. Angst, dass sie zu schrecklich waren, aber vor allem Angst, dass ich nichts damit würde anfangen können." – Seite 116
Mein Fazit: Ein bewegendes Buch, in dem Johan Scheerer von
den dramatischen Ereignissen der Reemtsma-Entführung berichtet. Er beschreibt
hier sehr genau, wie er diese unwirkliche Zeit zwischen Hoffnung und Angst
erlebt hat und gibt einen Einblick in diese 33 Tage, die sein Leben für immer
veränderten. Sehr lesenswert.
Meine Bewertung:
Titel: Wir sind dann wohl die Angehörigen - Die Geschichte einer Entführung
Autor: Johann Scheerer
Genre: Sachbuch / Bericht
Seitenanzahl: 240
Verlag: Piper

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