Sonntag, 9. Dezember 2018

Rezension zu "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith

Zum Buch

Das Porträt eines Mörders

England, im Jahr 1931: Wie jedes Jahr im Dezember lädt Adrian Gray - das Familienoberhaupt der Grays – seine sechs Kinder samt Anhang in sein abgelegenes Landhaus in King’s Poplar ein. Auch wenn die Verhältnisse zwischen dem Vater und den bereits erwachsenen Kindern etwas angespannt ist und auch durchaus Hass in der Luft liegt, kommen sie alle – denn alle sind auf Adrians Geld aus. Den Heiligabend verbringen noch alle Familienmitglieder zusammen – doch am Weihnachtsmorgen wird das Familienoberhaupt tot aufgefunden – ermordet. Schnell stellt sich die Frage: Wer von seinen Kindern ist zu so einer Tat fähig?




„Das Verbrechen geschah aus dem Augenblick heraus, ohne Vorsatz, und der Mörder, noch nicht beunruhigt, geschweige denn verängstigt, stand nur stumm da, starrte ungläubig die Waffe auf dem Tisch an und sah dann zu dem Toten hin, der im Halbdunkel am Fuß der schweren Vorhänge lag.“ – Seite 8, eBook


Das Geheimnis der Grays erschien erstmals im Jahre 1933 und nun, 2018, zum ersten Mal auf Deutsch. Es ist ein klassischer, weihnachtlicher Kriminalroman, der eine ganz besondere Note hat. Der Inhalt ist schnell erzählt: Adrian Gray lädt seine sechs erwachsenen Kinder über die Weihnachtsfeiertage zu sich in sein abgelegenes Landhaus ein – sie alle verstehen sich nicht sonderlich gut mit ihm. Am ersten Weihnachtstag wird er ermordet in seiner Bibliothek aufgefunden. Wer von den Geschwistern hat sich zu einem Mord hinreißen lassen? Zunächst lernt man sowohl den siebzigjährigen Adrian Gray und seine Marotten kennen, danach seine sechs Kinder und deren Anhang. Jeder von ihnen führt ein Leben, in dem nicht alles perfekt ist – nur das nicht gerade freundschaftliche Verhältnis zum Vater haben sie gemeinsam. Der Handlungsverlauf ist besonders: Denn nachdem man alle Charaktere kennen gelernt hat, schildert plötzlich der Täter den Tatverlauf selbst – so ist man als Leser schnell im Bilde und kann nun mit verfolgen, wie die Ermittlungen laufen und ob der Mörder doch noch überführt wird. Dieses ist ungewöhnlich, aber doch spannend geschrieben. Auch im sehr  lesenswerten Nachwort findet man noch interessante Fakten über den Roman und seine Autorin. Ab und an gibt es kleinere Längen, besonders im ersten Drittel, doch danach wird es von Seite zu Seite interessanter. Es ist kein rasanter Krimi, aber auf psychologischer Ebene sehr spannend.


„Im Haus waren die beunruhigenden nächtlichen Geräusche alter Häuser zu vernehmen. Türen knarrten, die leeren Flure und die dunkle Treppe schienen von namenlosen Leben erfüllt, und einmal glaubte Miles geisterhafte Schritte zu hören, die vor seiner Tür innehielten, doch das tat er schnell als Einbildung ab.“ – Seite 46, eBook


Mein Fazit: Ein schöner, klassischer Weihnachtskrimi, der mit einer besonderen Note überzeugt. Ganz im Stil von Agatha Christie hat Meredith Anne hier einen Krimi erschaffen, der sich psychologisch spannend und interessant entwickelt. Die Charaktere lernt man sehr gut kennen und bekommt einen detaillierten Einblick in deren Leben.  Bis auf Kleinigkeiten hat mir hat dieser Krimi mit seinem nostalgischen Charme gut gefallen. Perfekt für die Vorweihnachtszeit!


Meine Bewertung: 




Titel: Das Geheimnis der Grays
Autorin: Anne Meredith
Genre: Weihnachtskrimi / Klassiker
Seitenanzahl: 297
Verlag: Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 15. September 2018

Die Weihnachtskrimi-Klassiker von Klett-Cotta:
J. Jefferson Farjeon - Geheimnis in Weiß
Mavis Doriel Hay - Geheimnis in Rot
Anne Meredith - Das Geheimnis der Grays


Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar! 

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