Samstag, 21. Dezember 2019

Rezension zu "Der Hof der Wunder" von Kester Grant

Zum Buch


Von Gilden, Geistern und der Unterwelt

In einem alternativen Paris des Jahres 1828 ist die Französische Revolution fehlgeschlagen. Skrupellose Aristokraten teilen sich die Stadt mit kriminellen Gilden, die die Unterwelt regieren. Inmitten dieses brüchigen Friedens versuchen die Diebin Nina und ihre Adoptivschwester Ettie sich gegen Kaplan zur Wehr zu setzen, dem Obersten der Gilde für Menschenhandel und Prostitution. Nina und Ettie bleibt nichts anderes übrig, als sich den verfeindeten Gilden anzuschließen und bis zur großen Zusammenkunft, dem legendären Hof der Wunder, zu überleben. Aber als Kaplan den beiden auf die Schliche kommt, droht in ganz Paris ein Krieg auszubrechen ... (Quelle: Klappentext)



„Manchmal müssen wir einen schrecklichen Preis zahlen, um die Dinge zu beschützen, die wir lieben. Gibt es einen Preis, den ich nicht bezahlen würde, um meine Schwester zu retten? Nein. Den  gibt es nicht.“ (Nina) – Seite 45, eBook


Kester Grant hat hier ein außergewöhnliches Debüt hingelegt: Schauplatz ist hier ein alternatives Paris Ende der 1820er Jahre - die französische Revolution ist fehlgeschlagen. Nun regieren neun Gilden in der Unterwelt über die Stadt  – dazu gehören u. a.  die Gilden der Diebe, der Schmuggler, der Bettler  und der Meuchelmörder. Innerhalb der Gilden gibt es Rangordnungen vom Gildenherrn zum Meister. Um einen Verkauf an den gefürchteten Kaplan zu entgehen, der die Gilde des Fleisches anführt, schließt sich die junge Nina kurzerhand der Diebesgilde an, was ihr das Leben rettet. Doch nun ist ihre Adoptivschwester Ettie in Gefahr, denn Kaplan hat ein Auge auf das junge Mädchen geworfen. So beginnt für Nina und Ettie ein gefährliches Abenteuer, dass sie in die tiefsten Untergründe und dunkelsten Schlupfwinkel von Paris führt. Und schließlich tritt der Hof der Wunder zusammen – die große Zusammenkunft aller Gilden…


„Der Hof der Wunder tritt in geheimnisvollen, unberechenbaren Abständen zusammen. Der Ruf an den Hof wird von den Geistern verbreitet, nachdem der Bote es jedem Gildenherrn zugeflüstert hat. Sie geben den Ruf durch den Meister an ihre Kinder weiter, und so versammeln sich die Elenden.“ – Seite 101, eBook


Ich bin auf dieses Buch durch die Inhaltsangabe aufmerksam geworden – diese lässt schon erahnen, dass es ziemlich düster und zugleich außergewöhnlich werden wird. Die Geschichte selbst hat mich positiv überrascht: Es geht gleich von Anfang an rasant zu – die Story entwickelt sich schnell. Es beginnt anders als gedacht – nämlich mit der leiblichen Schwester von Nina. Ettie spielt erst etwas später eine zentrale Rolle. Es wird oft dramatisch, abenteuerlich, meist ziemlich düster und auch mal brutal – doch die dunkle, unheimliche Atmosphäre ist der Autorin sehr gut gelungen! Auch die vielen Schauplätze in dem alternativen Paris sind detailreich beschrieben – ebenso wie die vielen interessanten Figuren, wie beispielsweise der Tote Herr mit seinen „Geistern“ oder Montparnasse, der Meister der Messer.


„Trage Kleidung wie eine Maske, damit dich niemand wahrnimmt. Verstehst du? Trage sie, um dein wahres Gesicht zu verbergen. Du bist nicht Nina, das Kätzchen, du bist die Schwarze Katze. Zeige bei jeder Gelegenheit deine Zähne und Krallen, damit die anderen nicht vergessen, dass du gefährlich bist“ (Azelma zu Nina)   - Seite 13, eBook


Die Geschichte beginnt im Jahr 1823 und ist in vier Teile aufgeteilt, die sich bis ins Jahr 1832 erstrecken. Besonders hat mir auch der Schreibstil gefallen – er ist direkt, ohne viel drum herum und auf besondere Art eindringlich. Genau das passt zu dieser eher düsteren Geschichte. Man benötigt zwar etwas „Einlesezeit“, wie es ja bei den meisten Fantasy-Büchern der Fall ist, aber schnell bekommt man einen Überblick über die Gilden und deren Aufgaben, sowie über das Leben in diesem Paris. Alles ist sehr gut beschrieben und erklärt – das Buch ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Hauptfigur Nina geschrieben.

Mein Fazit: Ein außergewöhnliches Debüt, das mich positiv überrascht hat. Die Autorin hat hier ein besonders Setting geschaffen mit dunklen Schauplätzen, interessanten Charakteren und ein weit verzweigtes Netz aus kriminellen Gilden. Es wir ziemlich düster, sehr spannend, abenteuerlich und oft ziemlich überraschend. Die Geschichte entwickelt sich rasant und fesselt von Anfang an. Eine Leseempfehlung für alle Fans von Leigh Bardugos Krähen-Saga und allen, die dunkle und außergewöhnliche Fantasy lieben. Ein Lesehighlight!

Meine Bewertung:




Titel: Der Hof der Wunder
Autorin: Kester Grant
Genre: Fantasy / Dark-Fantasy
Seitenanzahl: 416
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 02.12.2019



Vielen Dank an den Piper-Verlag  und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Hallo Nicole,
    ich weiß nicht, warum ich in meinem dashboard deine Neuigkeiten nicht mehr finde :(
    Das Buch möchte ich auch sehr gerne lesen! Schon als ich es für meine Neuerscheinungen gefunden habe, hat es mich in den Fingern gejuckt...und nun nach deiner tollen Bewertung noch mehr!
    Liebe Grüße
    Martina

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