![]() |
| Zum Buch |
Der Märchenerzähler – Band 1
Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Oetinger Verlag)
Schon lange wollte ich Der Märchenerzähler von der Autorin Antonia Michaelis lesen. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2011 und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Im August 2022 erschien mit Im Schatten des Märchenerzählers eine Fortsetzung.
Schon der unheimliche Buchbeginn zeigt, dass die Story einige Überraschungen birgt:
„Niemand ist da. Niemand sieht. Niemand weiß und niemand wird sich erinnern.“ – Seite 9, eBook
Die siebzehnjährige Anna Leemann steht kurz vor dem Abitur und lebt eher zurückgezogen und in sich gekehrt. Eines Tages wird sie auf Abel Tannatek aufmerksam – ein geheimnisvoller Junge, der anders ist als die anderen und einige Geheinisse zu haben scheint. Gleichzeitig erfährt sie, dass er manchmal die Schule schwänzt und dealt. Trotzdem fühlt Anna sich magisch von ihm angezogen und lernt einen anderen Abel kennen – der, der sich rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert und Talent zum Geschichten erzählen hat. Dann erzählt er ein Märchen, von dem Anna nicht mehr loskommt…
Sie dachte an Abels Worte: "Wenn man sich ein ganzes Leben lang kennt, kann man einander auch im Dunkeln sehen.“ Sie lächelte unwillkürlich. – Seite 48, eBook
Das Buch beginnt eher ruhig und etwas unscheinbar – doch im Laufe der Handlung wird es sehr spannend und überrascht im Verlauf völlig. Man lernt die Hauptfiguren Anna und Abel immer besser kennen. Es wird geheimnisvoll und berührend, aber auch überraschend düster und bedrückend.
Die Idee, ein Märchen einzubauen, das immer mehr mit der Realität zu verschwimmen scheint, ist der Autorin sehr gut gelungen und gibt dem Buch etwas Besonderes.
Das Märchen in der Geschichte ist fantasievoll, etwas unheimlich und durch die Figuren sehr gut mit der Realität verflochten – und sich gefährlich weiterentwickelt.
„Das Märchen, in dem Anna landete, war hell und lichtdurchflutet. (…)
Doch sie hörte hinter den Worten eine uralte Dunkelheit lauern, die Dunkelheit aller Märchen, die Kehrseite.
Erst später, viel später, erst zu spät würde Anna begreifen, dass dieses Märchen tödlich war." – Seite 31, eBook
Ab einem gewissen Punkt bekommt die Geschichte eine sehr düstere Note mit Geschehnissen, die man so nicht erwartet hat. Besonders die zweite Hälfte ist fesselnd und einzelne Puzzleteile setzen sich zu einem unheimlichen Gesamtbild zusammen – mit erschreckenden Wahrheiten…
Mein Fazit: Ein Buch, das nach und nach an Fahrt aufnimmt und völlig überrascht. Geheimnisvoll, manchmal überraschend düster und sehr berührend. Auch das eingeflochtene Märchen ist spannend zu verfolgen und gibt der Geschichte eine besondere Note. Es gibt ungeahnte Wendungen, gefährliche Aktionen und ein Ende, das anders ist als erwartet. Sehr lesenswert!
Meine Bewertung:
Titel: Der Märchenerzähler
Autorin: Antonia Michaelis
Genre: Jugendbuch / All Age / Drama
Seitenanzahl: 448
Verlag: Oetinger
Erstveröffentlichung: 01. Februar 2011
Neuveröffentlichung: 08. Februar 2022
Die Bücher der Reihe:
Band 1 - Der Märchenerzähler
Band 2 - Im Schatten des Märchenerzählers
Eine weitere Rezension zum Buch findet ihr hier:
Weltenwanderer

Hi Nicole!
AntwortenLöschenAhhh du hast es gelesen! Und dir hats gefallen! Ich habs ja grade auch nochmal durch, zur Einstimmung auf die Fortsetzung...
Ich finde es immer noch großartig - auch wenn die Geschichte selbst schon sehr bedrückend ist.
Aus deiner Rezension schließe ich, dass du Annas Reaktion gegen Ende nicht ganz so kritisch siehst wie andere. Da gab es ja damals einen großen Tumult und viele haben der Autorin angekreidet, dass sie in Anna keine "Vorbildfunktion" geschaffen hat.
Die Fortsetzung wirst du sicher auch lesen oder?
Ich finde sie nicht ganz so packend, aber dennoch gelungen. Und hier erfährt man auch noch einiges mehr, warum das alles so gekommen ist...
Liebste Grüße, Aleshanee
Hi Aleshanee,
Löschenja, ich habe das Buch endlich gelesen - es lag schon länger auf dem SuB. Anfangs war ich unsicher, aber dann nimmt die Geschichte ja ziemlich an Fahrt auf und es wird auch bedrückend...
Bei Anna als Figur bin ich hin- und hergerissen. Manche Reaktionen von ihr haben mich überrascht, manches konnte ich tatsächlich nicht richtig nachvollziehen. Einiges ist ja nicht ohne...
Dennoch fand ich das Buch wirklich gut und bin sehr gespannt auf die Fortsetzung!
Liebe Grüße
Nicole
Ich hab mir tatsächlich viele Gedanken gemacht beim lesen - auch dann bei der Fortsetzung...
LöschenMein Problem ist, dass ich doch immer wieder Mitleid und Mitgfühl empfinde für Menschen - weil eben IMMER irgendwas im Hintergrund ist und nicht jeder Mensch ist so stark, sich davon abzugrenzen. Zu oft verarbeiten sie es, indem sie es eben selber "nachmachen".
Das ist nicht entschuldbar, aber zumindest kann ich es nachvollziehen und ja, solche Menschen tun mir auch leid auf einer gewissen Ebene.
Wo meine Grenzen sind, dachte ich, ist mir klar, aber so sicher bin ich mir nicht mehr ... das ist wirklich schwer. Wenn man jemanden nicht kennt verurteilt man schnell. Aber je mehr man weiß, umso schwieriger wird das, zumindest für mich. Grade Abels Geschichte, über die du in Band 2 noch mehr erfahren wirst...
Schweres Thema, aber eben wirklich gut umgesetzt.
Diese Vermischung der Grenzen von Realität und ... etwas anderem, das hat sie oft in ihren Büchern. Ich liebe das!
Da geht es mir genau so wie dir. Du hast das schon gut beschrieben.
LöschenEs ist auch ein Buch, das mich so schnell nicht losgelassen hat und über das man noch lange nachdenkt.
Band 2 werde ich auf jeden Fall bald lesen.
Liebe Grüße!