Freitag, 26. August 2022

Rezension zu "Nachmittage" von Ferdinand von Schirach

 

Zum Buch




Geschichten aus dem Leben


Ferdinand von Schirach erzählt von milden Frühsommermorgen, verregneten Nachmittagen und schwarzen Nächten. Seine Geschichten spielen in Berlin, Pamplona, Oslo, Tokio, Zürich, New York, Marrakesch, Taipeh und Wien. Es sind kurze Geschichten über die Dinge, die unser Leben verändern, über Zufälle, falsche Entscheidungen und die Flüchtigkeit des Glücks. Schirach erzählt von der Einsamkeit der Menschen, von der Kunst, der Literatur, dem Film und immer auch von der Liebe.
(Quelle: Inhaltsangabe - Luchterhand Verlag)






Im März 2019 erschien Kaffee und Zigaretten von Ferdinand von Schirach – das Buch konnte mich mit seinen besonderen Essays und dem klaren Schreibstil sehr begeistern. Mit Nachmittage ist im August 2022 ein neuer Erzählband erschienen.

In sechsundzwanzig kurzen Erzählungen erzählt der Autor Geschichten aus dem Leben. Von Begegnungen an verschiedensten Orten auf der Welt, von Beobachtungen, Gedanken und Erinnerungen.



„Es sind nicht die Geschichten der Sieger, nicht die lauten Sätze, die man auf Golfplätzen und in Flughafenlounges hört. Es sind leise Erzählungen von verregneten Nachmittagen und von schwarzen Nächten, und die Helden haben das Spiel endgültig verloren. Aber diese Geschichten beschützen uns vor der Einsamkeit, den Verletzungen und der Kälte. Und am Ende sind sie das Einzige, was uns wirklich gehört.“ - Seite 20/21, eBook


Hier werden mehrere Lebensgeschichten von Personen erzählt, die Besonderes, aber manchmal auch Schmerzhaftes erlebt haben – oft wird hier jeweils am Ende der Erzählung das Gesamtbild klar.
Die einzelnen Geschichten sind in der Ich-Perspektive geschrieben, oft auch mit autobiografischen Zügen. Besonders gefallen hat mir hier wieder der klare und schnörkellose Schreibstil – in perfekt verfassten Sätzen schreibt Ferdinand von Schirach detailreich, aber dennoch ohne viel Drumherum. Besonders gefallen haben mir die Schilderungen von den verschiedenen Orten und auch von den Gebäuden, die der Ich-Erzähler bewohnt hat, z.B. die Autorenwohnung eines Verlages Éditions Gallimard in Paris:


„An allen Wänden sind deckenhohe Holzregale mit tausenden Büchern: Gide, Valéry, Proust, Camus, Sartre, de Beauvoir. Gallimard veröffentlicht fast 40 Nobelpreisträger, viele von ihnen haben in diesem Appartement während ihres Aufenthalts in Paris gewohnt.“ – Seite 103, eBook

Die meisten Geschichten sind interessant, auf gewisse Weise packend und jede für sich besonders. Manche sind mehrere Seiten lang, einige bestehen nur aus wenigen Sätzen. Nur einige wenige haben mich nicht so überzeugen können – es fehlte dort irgendwie der gewohnte Stil und sie blieben etwas blass. Jedoch machen diese nur einen Bruchteil des Buches aus.


Mein Fazit: Ein besonderes Buch mit Geschichten aus dem Leben – jede ist anders und für sich einzigartig. Klar und direkt erzählt Ferdinand von Schirach von Beobachtungen, Gesprächen und Begegnungen an verschiedensten Orten auf der Welt. Ein sehr guter Nachfolger von Kaffee und Zigaretten - 4,5 Sterne von mir.


Meine Bewertung:




Titel: Nachmittage
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Autobiografische Erzählungen / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 176
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 24. August 2022



Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!

5 Kommentare:

  1. Hallo Nicole,
    ich habe gar nicht mitbekommen, dass es ein neues Buch von Ferdinand von Schirach gibt! Umso interessierter war ich nun an deiner Rezension. Ich habe erst Anfang des Jahres das Hörbuch zu "Kaffee und Zigaretten" gehört und möchte unbedingt mehr von dem Autor lesen. Danke für deine Buchvorstellung!
    Ganz liebe Grüße, Steffi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Steffi,
      ich habe die Neuerscheinung auch zufällig beim Stöbern entdeckt. :)
      Schön, dass dir "Kaffee und Zigaretten" auch so gut gefallen hat. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen, ich kann "Nachmittage" nur empfehlen!
      Ganz liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  2. Hi Nicole!

    Von Schirach hab ich bisher nur "Verbrechen" gelesen, das ich auch grade durch den Schreibstil sehr einnehmend fand. Ich hab ja mal ein Interview mit ihm gesehen und er war mir auf Anhieb so sympathisch! Ich möchte auch gerne mehr von ihm lesen und ich danke dir, dass du ihn mir wieder in Erinnerung rufst ... ich hab das schon wieder verdrängt gehabt :D

    Das klingt auf jeden Fall auch wieder nach sehr gut gefassten Einblicken!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Aleshanee,
      Ich habe die Bücher von Ferdinand von Schirach vor ein paar Jahren für mich entdeckt und bin sehr begeistert von seinem klaren Schreibstil. "Strafe" war damals mein erstes Buch von ihm.
      Ja, ich habe auch schon ein paar Interviews von ihm gesehen und finde auch, dass er mit seiner ruhigen Art sympathisch wirkt. :)
      "Kaffee und Zigaretten" und "Nachmittage" kann ich auf jeden Fall empfehlen.
      Ganz liebe Grüße
      Nicole

      Löschen