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100 Wörter
Vor gut einem Jahr ordnet die neue Regierung in Amerika an,
dass alle Frauen ab sofort nur noch einhundert Wörter am Tag sprechen dürfen –
festgehalten mit einem Wortzähler am Handgelenk. Die Mutter und
Wissenschaftlerin Jean McClellan will das zunächst nicht wahrhaben – im 21.
Jahrhundert und mitten in einer modernen Welt. Doch das Wörterzählen war nur
der Anfang. Schon kurz darauf kann sie ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht
mehr ausüben, allen Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts beraubt – und
ihre Träume genommen. Doch Jean will das nicht hinnehmen, sie will kämpfen für alle
entmündigten Frauen und vor allem für ihre sechsjährige Tochter Sonia…
„Manchmal male ich unsichtbare Buchstaben auf meine Handfläche. Während Patrick und die Jungs reden, bis ihnen die Zunge raushängt, sprechen meine Finger für mich… So stehen die Dinge jetzt: Wir haben ein Kontingent von einhundert Wörtern am Tag.“ – Seite 20, eBook„All meine Wörter wirbeln in meinem Kopf herum, kommen als schwerer, sinnloser Seufzer aus meiner Kehle heraus.“ – Seite 22, eBook
Vor kurzem bin ich auf dieses außergewöhnliche Buch
aufmerksam geworden, dass vor allem wegen der krassen Inhaltangabe auffällt:
Eine Regierung, die anordnet, dass alle Frauen nur noch einhundert Wörter am
Tag sprechen dürfen - und damit nicht genug. Schon ziemlich am Anfang erfährt
man, wie sich das Leben aller Frauen in Amerika auf erschreckende Weise
verändert hat – und man erfährt auch den unglaublichen Grund, welches Ziel die
Regierung mit diesem Verbot und den Einschränkungen verfolgt.
Die Handlung beginnt rasant – sie ist erschreckend, sehr unheimlich und
auch provokant. An vielen Stellen lässt sie einen kopfschüttelnd zurück. Doch
sie ist auch packend mit einer starken Hauptfigur, die das alles nicht
hinnehmen will. In der Ich-Perspektive aus Jeans Sicht geschrieben, bekommt man
einen sehr genauen Einblick in ihr Leben – neben ihrem derzeitigen Alltag
erfährt man auch einiges aus ihrer Vergangenheit, wo sie noch frei leben
konnte.
Die Geschichte ist fesselnd - einzig den Abschnitten, in dem
wissenschaftliche Ausdrücke und Vorgänge beschrieben werden, konnte ich nicht
immer ganz folgen – jedoch versteht man aber trotzdem, worum es geht. Auch fand
ich das Ende etwas abrupt und lässt einige Fragen offen. Hier hätte ich mir
noch etwas mehr Antworten versprochen. Jedoch im Gesamten betrachtet ist VOX
eine spannende, aber beklemmende Dystopie, die mit einem unvorhersehbaren
Verlauf überrascht.
„Irgendwas stimmte nicht. Vielleicht waren es seine Augen, die nicht zusammen mit dem Mund lächelten, oder das Muster seiner Sätze. Sie klangen fast zu gut einstudiert in ihrem gleichmäßigem Singsang und ihrer Intonation... Ich konnte nicht den genauen Moment nennen, an dem ich erkannte, dass ich ihm nicht traute.“ – Seite 70, eBook
Mein Fazit: Eine erschreckende Dystopie, die rasant
geschrieben ist und ein unglaubliches Szenario bietet. Christina Dalcher ist
hier ein außergewöhnliches Debüt gelungen – man fliegt nur so durch die Seiten.
Die Handlung hält einige Wendungen bereit, mit der man so nicht gerechnet hat –
bis auf die oben erwähnten kleinen Schwächen ist es ein sehr lesenswertes Buch.
Meine Bewertung:
Titel: Vox
Autorin: Christina Dalcher
Übersetzt von: Susanne Aeckerle, Marion Balkenhol
Genre: Dystopie / Roman
Seitenanzahl: 400
Verlag: Fischer
Erstveröffentlichung: 01. August 2018

Hi Nicole!
AntwortenLöschenJaaaa, erschreckend ist es allemal und vor allem dadurch, dass das ganze so relativ "leicht" umzusetzen scheint! Als bräuchte es nur einige "wichtige" Leute und eine kleine Vorlaufzeit und schon ist es passiert. Aber wie wir ja leider wissen gabs das ja schon öfters, und somit ist diese Geschichte ein guter Aufweckmodus, um etwas umsichtiger zu sein und vor allem:nicht alles mit sich machen zu lassen und nicht alles einfach hinzunehmen, was passiert.
Es hätte für mich auch durchaus noch mehr in die Tiefe gehen können, aber ich denke, das war extra so "gesellschaftsfähig" gemacht ^^
Liebste Grüße, Aleshanee
Hi Aleshanee,
Löschenda hast du recht. So erschreckend es auch war, die Autorin hat es aber wirklich gut umgesetzt - ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht.
Ich bin der Meinung, dass es gerne noch gut 30-40 Seiten länger hätte sein können - einfach, um gerade zum Ende hin noch etwas ausfühlicher zu werden.
Aber trotzdem ist es ein sehr lesenswertes Buch, was ich gerne weiterempfehle.
Liebe Grüße
Nicole