Donnerstag, 21. März 2019

Rezension zu "Die Farben des Feuers" von Pierre Lemaitre

Zum Buch

Ein besonderer Rachefeldzug…

Als der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine, deren Exmann nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis sitzt, plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Péricourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.
(Quelle: Klappentext vom Verlag)


Die Farben des Feuers war mein erstes Buch des französischen Autors Pierre Lemaitre und dieses hat mich besonders durch seine viele Facetten überrascht. Aufgrund des Klappentextes bin ich von einem sehr ernsten Buch ausgegangen (das es an vielen Stellen auch ist), doch die Handlung wird durch viele kleine tragikomische Momente aufgelockert, die ab und an auch etwas Ironie aufblitzen lassen. Diese Szenen sind dank des besonderen Schreibstils immer gut platziert. Die einzelnen Charaktere sind interessant und sehr gut ausgearbeitet. Hauptfigur ist die junge Frau Madeleine Péricourt, die nach dem Tod ihres Vaters Marcel – einem berühmten französischen Bankier – als Alleinerbin erklärt wird. Fortan hat sie viele Neider und einige Menschen schmieden  Intrigen und Verschwörungen. Doch Madeleine schaut nicht weg und nimmt Rache – und diese ist beeindruckend geplant und ganz anders, als zunächst gedacht.


„Sie empfand geradezu eine erschreckende Klarsicht. Ihre Wut nahm zu, je länger ihr Gehirn die Ereignisse der vergangenen Monate miteinander verknüpfte. (…) Madeleine begriff die ganze Dimension der Manipulation, der sie zum Opfer gefallen war.“ – Seite 163/164, eBook


Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, insgesamt spielt der Roman im Zeitraum der Jahre 1927 – 1933. Beginnen tut die Geschichte mit der Beerdigung des verstorbenen Bankiers, die schon am Anfang von einem zusätzlichen, dramatischen Ereignis überschattet wird. Wie schon oben angedeutet, ist dieser Roman sehr facettenreich: Es wird mal dramatisch, traurig und auch erschreckend – aber dann auch wieder komisch, schräg, überraschend und sehr spannend. Die Lebenswege der einzelnen Figuren sind detailreich geschildert und interessant zu verfolgen. Ich hatte anfangs damit gerechnet, das sich der Mittelpunkt des Buches hauptsächlich um die Bank und deren Führung dreht, doch die Geschichte entwickelt sich komplett anders, was aber sehr gelungen ist – auch ein Hauch von Krimi ist dabei, die manchmal lose erscheinenden Geschehnisse fügen sich schließlich zu einem Gesamtbild zusammen.


„Er versuchte, die beiden Ereignisse zusammenzubringen, suchte nach einer Verbindung. Es roch nach einem abgekarteten Spiel, aber er konnte das Problem in alle Richtungen drehen und wenden, er verstand nicht, wo das herkommen mochte, noch was er da tun konnte.“ – Seite 364, eBook


Mein Fazit: Ein facettenreicher Roman, der mich überrascht und begeistert hat. Oft sehr ernst, aber durch tragikomische Beschreibungen aufgelockert, hat der Autor hier eine fesselnde Geschichte erschaffen. Der Schreibstil ist besonders und auch anspruchsvoll, jedoch sehr gut lesbar. Die Handlung nimmt überraschende Wendungen, bleibt spannend und interessant. Sehr gelungen!


Meine Bewertung: 





Titel: Die Farben des Feuers
Autor: Pierre Lemaitre
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 479
Verlag. Klett-Cotta



Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

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