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Von Freundschaft, Liebe und Verlust
Als sich Ellis und Michael das erste Mal begegnen, ist es, als hätte das Schicksal sie zusammengeführt. Erfüllt mit einer großen Sehnsucht nach Kunst und Poesie, entfliehen die beiden Heranwachsenden dem grauen Oxford in die Wärme und das Licht Südfrankreichs. Dort finden sie heraus, wer sie sein könnten. Und müssen entscheiden, wer sie sein wollen.
Alles beginnt mit einem Gemälde, das Dora Judd an die Wand ihres Wohnzimmers hängt. Fünfzehn Sonnenblumen, wie sie van Gogh im warmen Licht Südfrankreichs malte. Jahre später reist ihr Sohn Ellis zusammen mit seinem besten Freund Michael der Sonne entgegen. Sie tauschen die grauen Straßen Oxfords, das Arbeiterviertel mit der Autowerkstatt und die Fäuste ihrer Väter gegen die Poesie und das Licht des Südens. Gemeinsam entdecken sie, welche Möglichkeiten ihnen das Leben eröffnet, doch auch die Prägungen ihrer Herkunft brechen immer deutlicher hervor. Dann tritt Annie in ihr Leben, und das ändert gleichzeitig nichts und alles. Sarah Winman hat einen unvergleichlich zärtlichen Roman über die Verflechtungen der Liebe und über die transformative Kraft der Kunst geschrieben. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Klett Cotta-Verlag)
Schon auf den ersten Seiten wird der ruhige und schöne Schreibstil der Autorin sichtbar: Der Roman beginnt mit einem kurzen Kapitel im Jahr 1950, wo Dora Judd bei einer Tombola ein Gemälde gewinnt: Eine Nachbildung von van Goghs Sonnenblumen. Mit dem Bild versucht sie, ein wenig Wärme und den Zauber Südfrankreichs in ihr graues Heim zu bringen.
„Fünfzehn Sonnenblumen, einige in Blüte, andere welkend. Gelb auf gelbem Pigment, das sich zu Ocker verdunkelte. Die gelbe Steingutvase dekoriert mit einer komplementären blauen Linie, die sich um ihre Mitte schlang.
Das Original wurde wohl von einem der einsamsten Männer der Welt gemalt, allerdings in einem Rausch von Optimismus, Dankbarkeit und Hoffnung. Ein Fest zu Ehren der alles durchdringenden Kraft der Farbe Gelb.“ – Seite 72, eBook
Viele Jahr später, im Jahr 1996, lebt Doras Sohn Ellis nach einem schlimmen Verlust ein einsames Leben voller Trauer. Nach und nach kommen Erinnerungen an die Oberfläche, die sein Leben geprägt haben: Seine Freundschaft mit Michael und ihre gemeinsame Reise aus dem grauen Oxford in den Süden. Im sonnigen Südfrankreich sind sie auf der Suche nach dem, was das Leben abseits des eintönigen Alltags noch zu bieten hat – sie sind glücklich und alles scheint möglich. Doch zurück in der Heimat kommt einiges anders. Als sie schließlich Annie kennen, ändern sich die Leben von Ellis und Michael erneut – in verschiedene Richtungen.
„Die erste Liebe hat so etwas an sich, nicht wahr?“, sagte sie. „Sie ist unantastbar für die, die nicht dabei waren. Aber sie ist der Maßstab für alles, was kommt.“ – Seite 118, eBook
Die Handlung ist zwar in der Gegenwart (hier das Jahr 1996) angesiedelt, wo die aktuellen Geschehnisse aus dem Leben von Ellis erzählt werden, dennoch ist der überwiegende Teil des Romans in der Vergangenheit angesiedelt. In Form von Erinnerungen, Tagebucheinträgen und auch mal in Briefform, verweben sich nach und nach die einzelnen Momentaufnahmen aus verschiedenen Zeitebenen zu einem Gesamtbild zusammen. Von einigen besonderen Momenten in Ellis und Michaels Vergangenheit und die Begegnung mit Annie bis hin zu dem Leben, das Ellis in der Gegenwart führt. Dort geschieht etwas, dass Ellis sein aktuelles Leben überdenken lässt…
Bei diesem Roman ist schon das Vorwort der Autorin sehr lesenswert. Sie erzählt u.a. von der Entstehung des Romans und dessen besonderen Figuren, aber auch, warum sie hier ein anderes Oxford zeigt, das ja hauptsächlich als berühmte Universitätsstadt bekannt ist. Die Beschreibungen der Schauplätze – sowohl in Großbritannien in Südfrankreich- sind sehr gut gelungen.
Das Buch ist mit nur 240 Seiten eher kurz, erzählt aber eine besondere und bewegende Geschichte, die an manchen Stellen ziemlich berührt. Der schöne, ruhige und manchmal leicht poetische Schreibstil trägt dazu bei.
„Ich frage mich, wie es wohl klingt, wenn ein Herz bricht. Ich glaube, es wäre leise, kaum wahrnehmbar, und gänzlich unspektakulär – wie eine erschöpfte Schwalbe, die sanft zu Boden fällt.“ – Seite 127, eBook
Doch muss auch gesagt werden, dass es nicht unbedingt ein Wohlfühlbuch ist: Es wird ziemlich traurig – denn schnell wird klar, warum Ellis alleine lebt und wie Michaels Weg verlaufen ist, nachdem sich die beiden aus den Augen verloren haben. Auch Krankheit ist ein zentrales Thema.
Das sich das Gesamtbild aus regelmäßig wechselnden Zeitebenen zusammensetzt fand ich zwar gut, allerdings waren die Wechsel an manchen Stellen etwas zu oft und unübersichtlich, sodass man schnell durcheinanderkommt. Leider nimmt das ein wenige die Tiefe aus der Geschichte. Dieses hätte ich mir etwas übersichtlicher gewünscht.
Sehr schön und passend finde ich das Cover mit van Goghs „Sonnenblumen“ – dieses Bild spielt im Roman eine besondere Rolle und verbindet verschiedenes miteinander, was perfekt gelungen ist.
Mein Fazit: Ein bewegendes Buch über Freundschaft, Liebe und Verlust. Der ruhige, schöne und manchmal leicht poetische Schreibstil wird gleich zu Beginn sichtbar.
Es wird oft der berührend, und auch mal traurig – daher ist es nicht unbedingt ein Wohlfühlroman. Dennoch hat er eine besondere und einnehmende Note.
Bis auf Kleinigkeiten im Handlungsaufbau ein Roman, den man nicht so schnell vergisst. Lesenswert.
Meine Bewertung:
Titel: Lichte Tage
Autorin: Sarah Winman
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 240
Verlag: Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 18. Februar 2023
Autorin: Sarah Winman
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 240
Verlag: Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 18. Februar 2023

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