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Von einer zerbrechlichen Freundschaft und der Liebe zu Videospielen
Mitte der 90er-Jahre in Massachusetts: An einer U-Bahn-Station trifft Sadie, hochbegabte Informatikstudentin und angehende Designerin von Computerspielen, ihren früheren Super-Mario-Partner Sam wieder. Die beiden beginnen, gemeinsam an einem Spiel zu arbeiten, und schnell zeigt sich, dass sie nicht nur auf freundschaftlicher, sondern auch auf kreativer Ebene ein gutes Team sind. Doch als ihr erstes gemeinsames Computerspiel zum Hit wird, brechen sich Rivalitäten Bahn, die ihre Verbundenheit zu bedrohen scheinen.
(Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)
Ich habe im Vorfeld schon viel über das neue Buch von Gabrielle Zevin gehört und war ziemlich neugierig, was mich in diesem Roman erwartet. Morgen, morgen und wieder morgen hat mich sehr positiv überrascht und von der ersten Seite an gefesselt.
Die Geschichte beginnt mit einem besonderen Moment im Jahr 1995: In einer ziemlich vollen U-Bahn-Station in Boston trifft der einundzwanzigjährige Student Sam zufällig seine frühere Freundin Sadie wieder. Vor vielen Jahren lernten sie sich zufällig kennen und wurden unzertrennlich – sie liebten Nintendo, Super Mario und teilten die Faszination von Videospielen.
„Sie kniete sich neben ihn und sah ihm eine Weile beim Spielen zu. Er war gut – am Ende ließ er Mario oben auf der Spitze der Fahnenstange landen, was Sadie noch nie geschafft hatte. Obwohl sie am liebsten selbst spielte, machte es Spaß, einem so geschickten Spieler zuzusehen – es war, als beobachtete man jemanden beim Tanzen.“ – Seite 31
Sadie und Sam nähern sich langsam wieder an und beschließen, gemeinsam ein Spiel zu entwickeln. Zwischen den beiden entwickelt sich nicht nur wieder eine gute Freundschaft, sie sind darüber hinaus auch ein ziemlich gutes Kreativ-Team. Nach dem überraschenden Erfolg ihres ersten Spiels gründen sie die Firma Unfair Games und planen weitere Spielehighlights.
„Am wohlsten fühlte er sich, wenn er mit Sadie allein war und sie das Whiteboard mit großartigen Ideen füllten. Er liebte es, mit ihr zusammen Welten zu entwerfen. Für den Abend waren sie wieder verabredet, und er konnte es gar nicht erwarten, mit dem neuen Spiel anzufangen.“ – Seite 208
Doch mit der Zeit und dem Erfolg zeigen sich Rivalitäten und Unstimmigkeiten – ihre Freundschaft, die schon immer zerbrechlich war, wird auf eine harte Probe gestellt. Doch dies ist nur der Anfang…
Die Handlung erzählt die Geschichte von Sadie und Sam und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Beginnend im Jahr 1995, wo die beiden sich nach langer Funkstille zufällig wiedertreffen bis hin in die 2010er Jahre. In der ersten Hälfte des Romans gibt es immer wieder Rückblicke in die 1980er Jahre, wo sie sich kennenlernten, sowie aus der Kindheit der beiden, die unterschiedlicher nicht sein konnte. Schnell wird klar, dass es für beide nicht immer einfach war, besonders Sam hat Schlimmes durchgemacht. Dieses wird nach und nach deutlich.
Aber auch die Geschehnisse in der Gegenwart sind spannend zu verfolgen. Ein zentrales Thema ist natürlich die Spieleentwicklung, die man hier - von der ersten Idee über die entworfene Story bis hin zur Entwicklungsphase- genauestens verfolgen kann. Auch wenn man vom Spieledesign und der Programmierung nicht viel verstehen sollte, ist das kein Problem – es ist alles gut verständlich und sehr interessant den Weltenbau zu verfolgen. Daneben stehen natürlich Sam und Sadies Leben, ihre persönlichen Sorgen, Probleme und Ängste im Fokus – dazu noch einige wichtige Nebenfiguren, wie z.B. Sams guter Freund Marx.
In den Jahren passiert einiges – sowohl im Privat- als auch im Berufsleben der Figuren. Es wird spannend, dramatisch und auch bewegend – die Ereignisse nehmen ihren Lauf und greifen auch viele aktuelle und wichtige Themen auf.
Besonders die Atmosphäre ist der Autorin sehr gut gelungen – ob es das Flair der 1980er und 90er Jahre ist, die Charaktere mit ihrer tollen Kreativität oder auch die besondere Magie von Videospielen – das hat mich sehr beeindruckt. Auch was es mit dem Buchtitel auf sich hat, erfährt man im Laufe der Handlung.
„So etwas wie Glück gibt es nicht.“
„Doch. Es ist der riesige, vielflächige Würfel, den man bei Dungeons & Dragons wirft.“ – Seite 201
Mein Fazit: Ein wundervoller Roman, der mich von der ersten Seite an begeistert hat. Die Geschichte ist besonders und erzählt von einer zerbrechlichen Freundschaft, der Leidenschaft der Spieleentwicklung und die Faszination von Computerspielen. Sowohl die einzelnen Figuren und ihre Kreativität als auch die gesamte Atmosphäre des Romans sind stark ausgearbeitet, die Handlung entwickelt sich spannend und hält einige Überraschungen bereit. Bewegend und auch auf besondere Weise spannend. Ein Lesehighlight!
Meine Bewertung:
Titel: Morgen, morgen und wieder morgen
Autorin: Gabriele Zevin
Genre: Roman /Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 560
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 24. Februar 2023


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