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Ein Jahrmarkt mit dunklen Geheimnissen
Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William „Bill“ Halloway und James „Jim“ Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.
(Quelle: Inhaltsangabe - Diogenes Verlag)
Nachdem ich in den letzten Jahren Ray Bradburys Romane Halloween und Fahrenheit 451 gelesen habe, war ich sehr gespannt auf Das Böse kommt auf leisen Sohlen. Diese Geschichte erschien erstmals im Jahr 1961, die deutsche Übersetzung folgte im Jahr 1969. Der klassische Roman ist im Diogenes Verlag erschienen, aktuell erhältlich als Taschenbuch und eBook, welches ich gelesen habe. Im September 2017 erschien noch eine illustrierte Ausgabe, die im Aladin Verlag veröffentlich wurde.
Hauptfiguren sind hier die beiden 13-jährigen Jungen Will Halloway und Jim Nightshade, die in der kleinen Stadt Green Town aufwachsen. Sie sind fast auf den Tag genau gleich alt, Nachbarn und beste Freunde. Kurz vor Halloween ändert sich ihr bisher sorgloses Leben schlagartig.
„Das war jene Woche im Oktober, in der sie über Nacht erwachsen wurden, in der das Jungsein ihnen entglitt…“ – Seite 10, eBook
Eines Nachts im Oktober liegt plötzlich eine seltsame Stimmung in der Luft – kurz darauf zieht ein Jahrmarkt in die Stadt ein. Will und Jim merken schnell, dass dort etwas nicht in Ordnung ist und entdecken kurz darauf ein Karussell, dessen Fahrt dramatische Folgen für die Fahrgäste hat. Bald darauf gerät einiges aus den Fugen – was ist wahr und was nur Illusion? Die Neugier der beiden Freunde bleibt im Zirkus nicht unbemerkt und schon bald nähert sich ihnen das Böse auf leisen Sohlen…
„Voller Entsetzen sah er zu, wie das tote Karussell bebte und leblos im Gras stehenblieb, eine erstarrte Welt, die nichts – nicht ihre Herzen, nicht ihre Hände oder ihre Köpfe – jemals wieder zurückdrehen konnte.“ – Seite 103, eBook
Der Roman hat schon von der ersten Seite an eine besondere und unheimliche Atmosphäre, die auch bis zum Schluss erhalten bleibt. Hier fühlte ich mich etwas an Stephen King erinnert, der das Böse auch langsam und gekonnt in Kleinstädte einziehen lässt. Das Besondere ist, dass in Stephen Kings aktuellem Roman Fairy Tale dieses Buch immer wieder erwähnt wird und ein bestimmtes Element dort in ganz ähnlicher Weise vorkommt.
Ray Bradbury hat einen ganz eigenen Schreibstil, der in dieser Geschichte besonders hervorsticht. Manchmal sind einzelne Momente eher kurz beschrieben und nicht ganz greifbar, dann wieder klar, atmosphärisch und zeitweise auch etwas poetisch. Gerade hier kommt das Dunkle besonders gut zur Geltung.
„Schockiert standen sie nebeneinander, erschüttert von lautlosen Gesten, hin und hergerissen von Ereignissen, die nur noch betäubender waren, weil sie sich in der Nacht, im Unbekannten verloren.“ – Seite 81, eBook
Der Jahrmarkt ist mysteriös und es ist interessant zu verfolgen, was hinter all dem wirklich steckt. Von einem unheimlichen Irrgarten aus Spiegeln und einem Karussell dessen Fahrt Folgen hat bis hin zu den Zirkusleuten, die manchmal unheimlicher nicht sein können:
„Von dem dunklen, groben Anzug des Mannes fielen Schatten auf Jims Gesicht, krochen in seine Augen und ließen sie gewitterdunkel erscheinen und nicht so lebhaft grün, wie sie sonst immer blickten.“ – Seite 77, eBook
Nach und nach wird es immer spannender, die Handlung hält einige Überraschungen bereit.
Mein Fazit: Ein besonderer Roman, der einen mit seiner unheimlichen Atmosphäre in den Bann zieht. Ein geheimnisvoller Jahrmarkt mit dunklen Geheimnissen, unheimlichen Vorkommnisse und seltsamen Illusionen – nach und nach zieht das Böse in die kleine Stadt und zwei Freunde kommen ihm auf die Spur.
Der Schreibstil ist etwas speziell und außergewöhnlich, passt aber sehr gut zur gesamten Geschichte. Nach und nach wird es spannend, düster und natürlich auch gruselig. Sehr lesenswert.
Meine Bewertung:
Titel: Das Böse kommt auf leisen Sohlen
Autor: Ray Bradbury
Genre: Mystery
Seitenanzahl: 272
Verlag: Diogenes
Deutsche Erstveröffentlichung: 1969
Neuveröffentlichung Taschenbuch: 1981 / 2013
Eine illustrierte Ausgabe erschien am 29. September 2017 im Aladin Verlag

Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenDiese Geschichte hat mich ja total fasziniert! Dieser bizarre Jahrmarkt, die Jungs und wie sie in diesen Bann geraten - und die leisen Zwischentöne, grade auch mit Wills Vater (oder war es Jim? Das weiß ich nicht mehr genau ^^)
Ja, und an Stephen King erinnert es auch etwas :) Die Kleinstadt, dieses Gruselkabinett im Zirkus, der heiße Sommer, eine ganz tolle Geschichte!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo liebe Aleshanee,
Löschenja, eine wirklich faszinierende Geschichte und ich kann mir vorstellen, dass die illustrierte Ausgabe bestimmt richtig toll geworden ist. :)
Genau, Wills Vater spielt auch eine interessante Rolle hier.
Ich musste auch immer an die Stephen King-Romane denken - sehr gut gelungen.
Liebe Grüße
Nicole