Freitag, 16. Juni 2023

Rezension zu "Wie man einen Prinzen tötet" von T. Kingfisher

 

Zum Buch

Eine mutige Prinzessin und ihre mörderischen Pläne

Die junge Marra, drittgeborene Tochter eines kleinen Königreichs, muss mitansehen, wie ihre beiden älteren Schwestern nacheinander mit dem sadistischen Prinz Vorling verheiratet werden. Nach dem mysteriösen Tod der Älteren, muss die Jüngere ihren Platz einnehmen, um Vorling endlich einen Erben zu schenken - ein Los, das auch Marra zu drohen scheint.

Es sei denn, sie nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand und sucht sich ein paar schillernde Verbündete für ihren Plan - denn Marra will den Prinzen nicht küssen, sondern ihn töten!
(Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)




Wie man einen Prinzen tötet
ist der neue Roman von T. Kingfisher, dem Pseudonym von Ursula Vernon. Sie ist Autorin von Kinderbüchern und Comics. Als T. Kingfisher schreibt sie nun auch Bücher für Erwachsene – dieses ist ihr mit diesem modernen Märchen sehr gut gelungen. Übersetzt wurde das Buch von Jasmin Schreiber, u.a. Autorin des großartigen Romans Marianengraben.

„Die Bäume waren voll Krähen und die Wälder voller Verrückter, die Grube war voll Knochen, und in den Händen hielt sie Draht.“ (Buchbeginn) – Seite 7


…schon dieser erste Satz gibt einen Einblick in das etwas andere Märchen, das im Laufe der Handlung noch einige Überraschungen bereithält. Hauptfigur hier ist die junge Prinzessin Marra. Sie ist die drittgeborene Tochter eines kleinen Hafenkönigreiches, das zwischen zwei großen, verfeindeten Königreichen liegt. Um mit dem Nördlichen Königreich ein Bündnis zu schließen, wird die älteste Tochter Damia mit Prinz Vorling verheiratet. Doch schon bald stirbt sie unter mysteriösen Umständen. Somit ist nun Kania dran, Marras zweitälteste Schwester.
Die Jahre vergehen und als Marra aus einem traurigen Anlass zu ihrer Schwester reist, erfährt sie die grausame Wahrheit über Prinz Vorling. Im schlimmsten Fall blüht auch ihr dieses Schicksal…

„Jedes Wort klang hässlich, wie der Hieb einer Axt ins Kernholz. Marra schüttelte langsam den Kopf. Es war unfassbar. Entsetzlich. Es ergab keinen Sinn.“ – Seite 77


Mit dem Ziel, Kania zu retten und diesen schrecklichen Kreislauf zu durchbrechen, fasst Marra einen Plan: Sie will den grausamen Prinzen töten. Doch das scheint durch die vielen Wachen und angewandter Magie unmöglich. Somit macht sie sich auf den Weg in den Süden, um jemand mächtiges zu finden: Eine Staubfrau, die dunkle Magie wirken kann.
Und damit beginnt Marras Abenteuer: Sie reist mit Gefährten durch düstere Landschaften, kommt an gefährliche und verzauberte Orte und begegnet unheimlichen Gestalten. Doch trotz Schwierigkeiten hält sie an ihrem Plan fest und kommt hinter einige Geheimnisse, die das Nördliche Königreich umgeben…



Mich hat bei diesem Roman vor allem die Entwicklung der Handlung überrascht, die sehr abweschlungsreich ist. Die ersten Seiten sind zunächst etwas düster und geheimnisvoll, erst später lassen sich die Geschehnisse dort besser einordnen. Danach geht es zurück in die Vergangenheit und wir lernen Marra, ihr Leben und Umfeld besser kennen. Auch das Schicksal ihrer beiden älteren Schwestern wird nach und nach deutlich. Das Buch wird langsam immer packender und Marra entwickelt sich zu einem starken und mutigen Charakter. Auch ihre Beweggründe haben einen ernsten Hintergrund und ihr Weg lässt sich sehr gut und spannend verfolgen.

„Sie atmete tief durch, straffte die Schultern und trat vor, um sich ihrem Schicksal zu stellen und zu lernen, wie man einen Prinzen tötet.“ – Seite 103


Auch die verschiedenen Figuren sind außergewöhnlich und sehr interessant: von Knochenhexen und Feenpatinnen bis hin zu einer Dämonenhenne und Marras beeindruckendem Knochenhund. Die unterschiedlichen Schauplätze sind beeindruckend beschrieben – ziemlich unheimlich wird es im „eitrigen Land“ oder auch auf dem Koboldmarkt – mit Ereignissen, die nicht von dieser Welt sind.
Neben ernsten und dramatischen Momenten blitzt auch immer mal wieder etwas Humor auf – ein anderes Mal wird es ziemlich düster. Diese Wechsel sind sehr gut gelungen. Auch Marras starke Art kommt hier sehr gut zur Geltung.


Mein Fazit:
Ein modernes Märchen, das einige Überraschungen bereithält. Es wird spannend, magisch-düster mit vielen interessanten Charakteren und tollen Schauplätzen. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich – von ernsten und dramatischen Momenten, bis hin zu dunkler Magie und wieder etwas Humor. Ein etwas anderes Märchen, das mir sehr gut gefallen hat.



Meine Bewertung:



Titel: Wie man einen Prinzen tötet
Autorin: T. Kingfisher
Übersetzt von: Jasmin Schreiber
Genre: Fantasy / Moderne Märchen
Seitenanzahl: 352
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 28. April 2023


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