Mittwoch, 12. Dezember 2018

Rezension zu "Jackaby - Der leichenbleiche Mann" von William Ritter

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Band 3 der Jackaby-Reihe

New Fiddleham, 1892: Es ist zehn Jahre her, dass Jenny Cavanaugh ermordet wurde, doch sie hat noch lange keine Ruhe gefunden und lebt als Geist in Jackabys Haus weiter. Als sich in New Fiddleham auf einmal Mordfälle ereignen, die Jennys Fall verblüffend ähneln, nehmen Jackaby und seine Assistentin Abigail den Fall von damals wieder auf – mit der Absicht, den aktuellen Fall dabei ebenfalls zu lösen. Ihre Suche treibt sie in die Arme eines leichenbleichen Feindes … (Quelle: Klappentext vom Verlag)





„Ich habe Sie kurz aus den Augen verloren, Sir. Sie haben mich fast zu …“

Die Worte bleiben mir im Hals stecken. Das Gesicht in der Finsternis war nicht Jackabys.

„… zu Tode erschreckt?“ Es war rund und leichenblass und um das Kinn zog sich ein blauer Bartschatten. Der bleiche Mann lächelte und tippte sich grüßend an den Hut.“ – Seite 69, eBook


Da mir bereits die ersten beiden Bände um R.F. Jackaby, dem Detektiv für unerklärliche Phänomene, und seiner Assistentin Abigail Rook gut gefallen haben, war ich dementsprechend gespannt auf den dritten Band. Hier rückt eine bereits bekannte Person in den Vordergrund: Jenny Cavanaugh, die seit zehn Jahren als Geist in ihrem eigenen Haus lebt (das Jackaby übernommen hat), findet keine Ruhe, denn der Mord an sie und das Verschwinden ihres damaligen Verlobten ist weiterhin ungeklärt. Doch nun scheint Licht ins Dunkel zu kommen, da sich ihr Fall mit einigen Aktuellen ähnelt.
Die Geschichte ist, wie schon aus den Vorgängern bekannt, wieder in der Ich-Perspektive aus der Sicht der sympathischen Assistentin Abigail Rook geschrieben, die meiner Meinung nach noch mehr im Vordergrund steht als Jackaby. Doch beide sind ein tolles Team. Jackabys manchmal herrlich schräge und spezielle Art kommt auch hier wieder zum Vorschein:


„Wie haben Sie davon erfahren?“, fragte Jackaby. „Unser Verbindungsmann bei der Polizei sagte, Sie seien schon fort gewesen, als man Ihnen die Nachricht vom grauenhaften Zustand Ihres Gatten überbringen wollte.“

„Sir“, mahnte ich. „Etwas mehr Feingefühl bitte.“

„Verzeihung“, sagte er. „Vom grauenhaften Zustand Ihres verstorbenen Gatten.“ – Seite 110, eBook


An diesem Band hat mir besonders gefallen, das zum einen das Schicksal eines schon bekannten Charakters aufgeklärt wird, und zum anderen erfahren wir hier einiges aus Jackabys Vergangenheit. Die Handlung ist abwechslungsreich und führt auch an Orte, die nicht ganz von dieser Welt sind. Allerdings fand ich genau diese Abschnitte etwas zu wirr und „zu viel“. Jedoch sind im dritten Band die Unterhaltungen etwas lebhafter und interessanter gestaltet als im Vorgänger. Ebenfalls sind die Charaktere hier besser ausgearbeitet und wirken nicht mehr ganz so blass. Ganz besonders gefallen hat mir der Nachtrag am Ende.

Mein Fazit: Ein gelungener dritter Band, der sehr gut mit seinen Vorgängern mithalten kann. Auf Detektiv Jackaby und seiner Assistentin Abigail wartet hier ein interessanter Fall mit viel Übernatürlichem und tollen Fantasy-Elementen. Das Ende ist gut gelungen und macht neugierig auf den Folgeband. Bis auf kleinere Schwächen wieder ein spannender All-Age-Mystery-Krimi. 


Meine Bewertung: 




Titel: Jackaby 3: Der leichenbleiche Mann
Autor: William Ritter
Genre: All Age / Mystery
Seitenanzahl: 352
Verlag: cbj/cbt
Erstveröffentlichung: Dezember 2018


Die Bücher der JACKABY-Reihe:
Band 1 - Jackaby
Band 2 - Die verschwundenen Knochen
Band 3 - Der leichenbleiche Mann
Band 4 - Der gnadenlose König



Vielen Dank an das Bloggerportal und cbj/cbt für das Rezensionsexemplar! :)

Sonntag, 9. Dezember 2018

Rezension zu "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith

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Das Porträt eines Mörders

England, im Jahr 1931: Wie jedes Jahr im Dezember lädt Adrian Gray - das Familienoberhaupt der Grays – seine sechs Kinder samt Anhang in sein abgelegenes Landhaus in King’s Poplar ein. Auch wenn die Verhältnisse zwischen dem Vater und den bereits erwachsenen Kindern etwas angespannt ist und auch durchaus Hass in der Luft liegt, kommen sie alle – denn alle sind auf Adrians Geld aus. Den Heiligabend verbringen noch alle Familienmitglieder zusammen – doch am Weihnachtsmorgen wird das Familienoberhaupt tot aufgefunden – ermordet. Schnell stellt sich die Frage: Wer von seinen Kindern ist zu so einer Tat fähig?




„Das Verbrechen geschah aus dem Augenblick heraus, ohne Vorsatz, und der Mörder, noch nicht beunruhigt, geschweige denn verängstigt, stand nur stumm da, starrte ungläubig die Waffe auf dem Tisch an und sah dann zu dem Toten hin, der im Halbdunkel am Fuß der schweren Vorhänge lag.“ – Seite 8, eBook


Das Geheimnis der Grays erschien erstmals im Jahre 1933 und nun, 2018, zum ersten Mal auf Deutsch. Es ist ein klassischer, weihnachtlicher Kriminalroman, der eine ganz besondere Note hat. Der Inhalt ist schnell erzählt: Adrian Gray lädt seine sechs erwachsenen Kinder über die Weihnachtsfeiertage zu sich in sein abgelegenes Landhaus ein – sie alle verstehen sich nicht sonderlich gut mit ihm. Am ersten Weihnachtstag wird er ermordet in seiner Bibliothek aufgefunden. Wer von den Geschwistern hat sich zu einem Mord hinreißen lassen? Zunächst lernt man sowohl den siebzigjährigen Adrian Gray und seine Marotten kennen, danach seine sechs Kinder und deren Anhang. Jeder von ihnen führt ein Leben, in dem nicht alles perfekt ist – nur das nicht gerade freundschaftliche Verhältnis zum Vater haben sie gemeinsam. Der Handlungsverlauf ist besonders: Denn nachdem man alle Charaktere kennen gelernt hat, schildert plötzlich der Täter den Tatverlauf selbst – so ist man als Leser schnell im Bilde und kann nun mit verfolgen, wie die Ermittlungen laufen und ob der Mörder doch noch überführt wird. Dieses ist ungewöhnlich, aber doch spannend geschrieben. Auch im sehr  lesenswerten Nachwort findet man noch interessante Fakten über den Roman und seine Autorin. Ab und an gibt es kleinere Längen, besonders im ersten Drittel, doch danach wird es von Seite zu Seite interessanter. Es ist kein rasanter Krimi, aber auf psychologischer Ebene sehr spannend.


„Im Haus waren die beunruhigenden nächtlichen Geräusche alter Häuser zu vernehmen. Türen knarrten, die leeren Flure und die dunkle Treppe schienen von namenlosen Leben erfüllt, und einmal glaubte Miles geisterhafte Schritte zu hören, die vor seiner Tür innehielten, doch das tat er schnell als Einbildung ab.“ – Seite 46, eBook


Mein Fazit: Ein schöner, klassischer Weihnachtskrimi, der mit einer besonderen Note überzeugt. Ganz im Stil von Agatha Christie hat Meredith Anne hier einen Krimi erschaffen, der sich psychologisch spannend und interessant entwickelt. Die Charaktere lernt man sehr gut kennen und bekommt einen detaillierten Einblick in deren Leben.  Bis auf Kleinigkeiten hat mir hat dieser Krimi mit seinem nostalgischen Charme gut gefallen. Perfekt für die Vorweihnachtszeit!


Meine Bewertung: 




Titel: Das Geheimnis der Grays
Autorin: Anne Meredith
Genre: Weihnachtskrimi / Klassiker
Seitenanzahl: 297
Verlag: Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 15. September 2018

Die Weihnachtskrimi-Klassiker von Klett-Cotta:
J. Jefferson Farjeon - Geheimnis in Weiß
Mavis Doriel Hay - Geheimnis in Rot
Anne Meredith - Das Geheimnis der Grays


Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar! 

Freitag, 7. Dezember 2018

Rezension zu "Die Zwerge" von Markus Heitz

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Die Zwergen-Saga - Band 1

Im Geborgenen Land leben Menschen, Zauberer und Elben friedlich zusammen. Geschützt wird das weitläufige Gebiet durch die fünf Zwergenstämme, die in den Gebirgen rund um das Land leben und die Pforten bewachen. Besonders über den  Steinernen Torweg im Norden versuchen Horden von Orks und Oger in das Land zu kommen. Eines Tages hält der Wall nicht mehr stand und die gut versiegelte Pforte wird geöffnet – mit den Orks, kommen auch die Albae ins Reich, finstere Wesen voll dunkler Magie.
Auch viele Jahre später kämpfen die Bewohner des Geborgenen Landes weiter gegen die bösen Kreaturen – doch das Tote Land rückt unaufhaltsam weiter voran und mit ihm das Untote.
Auch der Zwerg Tungdil Bolofar, der unter Menschen aufgewachsen ist, bekommt die Veränderungen, die im Land vorgehen, bald hautnah zu spüren: Ein Botengang wird plötzlich zu einem gefährlichen Abenteuer und stellt ihn vor große Herausforderungen…


„Der Zwerg wusste, dass es keine Pferde waren. Er erinnerte sich: Die Bücher Lot-Ionans nannten sie Nachtmahre, ehemalige Einhörner, denen das Böse die reine Seele, das weiße Fell und zu guter Letzt das Horn genommen hatte, um sie zu Wesen der ewigen Nacht zu machen.“ – Seite 103


Schon lange wollte ich Markus Heitz‘ Zwergen-Saga lesen – bereits der Auftakt hält eine abenteuerreiche Geschichte bereit. Im Prolog erfährt man zunächst, wie die bösen Kreaturen es geschafft haben, den gut geschützten Steinernen Torweg  zu überrennen und in das Geborgene Land einzufallen. Die eigentliche Geschichte beginnt viele Jahrzehnte später, in denen die Bewohner nach wie vor gegen die Orks ankämpfen. Hauptfigur in dieser Saga ist der Zwerg Tungdil Bolofar, der unter Menschen aufgewachsen ist und nicht weiß, zu welchem Stamm er gehört. Sein persönliches Abenteuer beginnt, als sein Ziehvater ihn auf einen Botengang schickt, der sich zu einer abenteuerlichen und gefährlichen Reise entwickelt. Und die dunkle Macht schreitet unaufhaltsam weiter vor ins Geborgene Land – werden Tungdil und seine Gefährten das Böse aufhalten können?

Zunächst lernt man den Aufbau der Saga kennen: Die Struktur des Geborgenen Landes, die verschiedenen Stämme und Clans der Zwerge und auch die magischenGebite in den einzelnen Reichen. Alles wird sehr gut beschrieben und nach einer kleinen Einlesezeit ist man mittendrin in der Geschichte. Vorn im Buch gibt es auch eine Karte des Geborgenen Landes, wo alle wichtigen Orte eingezeichnet sind.
Die Hauptrolle hier spielen natürlich die Zwerge, doch man lernt auch noch viele weitere Figuren und Kreaturen kennen – Gute wie Böse. Sehr düster und geheimnisvoll sind die Albae, denen Markus Heitz auch eine eigene Reihe gewidmet hat. Natürlich fiebert man mit Tungdil, der dem Leser sofort ans Herz wächst, mit. Es gibt viele spannende Wendungen, Intrigen, interessante Begegnungen und so manche Schlacht.
Die Zwergen-Saga hat ein wenig den Charme von Tolkiens Der Herr der Ringe, was mir persönlich sehr gut gefällt. Doch natürlich ist es inhaltlich eine ganz eigene und andere Geschichte. Die Schauplätze werden sehr gut beschrieben und ich glaube, dass die Saga in den folgenden Büchern noch einiges bereithält.


„Tungdil verglich ihre Position mit dem Standort auf der Landkarte. Sie kamen den alten Grenzen des Toten Landes immer näher. Es ist sicherlich weiter vorgedrungen. Der Winter macht es unmöglich herauszufinden, wie weit sein Einfluss reicht.“ – Seite 517


Mein Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt der Zwergen-Saga! Markus Heitz hat ihr eine eindrucksvolle Welt mit einem spannenden Szenario, unheimlichen Wesen und einem sympathischen Helden erschaffen. Es wird abenteuerlich, actionreich, überraschend und spannend – beeindruckend sind auch die detailreichen Beschreibungen der Zwergenheimat. Schon der Auftakt hält viele Überraschungen bereit und endet in einem großen Finale – nun bin ich umso gespannter auf die Folgebände.


Meine Bewertung: 




Titel: Die Zwerge
Autor: Markus Heitz
Genre: High-Fantasy
Seitenanzahl: 640
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 2003



Die Bücher der Zwergen-Saga:

Band 1 - Die Zwerge







Samstag, 1. Dezember 2018

Rezension zu "Friedhof der Kuscheltiere" von Stephen King

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Der Tierfriedhof und das dunkle Geheimnis dahinter

Aufgrund einer neuen Arbeitsstelle zieht Louis Creed zusammen mit seiner Frau Rachel und den beiden Kindern Ellie und Gage von Chicago nach Ludlow, Maine. Schnell ist die junge Familie von der Gegend beeindruckt: Direkt hinter dem Haus mit seinem großen Garten erstrecken sich weitläufige Wälder, die noch im Besitz der Micmac-Indianer sind. Einzig die Schnellstraße direkt vor dem Haus macht den Creeds Sorgen. Und schon bald darauf wird die Idylle erstmals zerstört, denn Church, der geliebte Kater der 5-jährigen Ellie, wird überfahren. Auf Anraten seines Nachbars Jud Crandall, mit dem Louis sich angefreundet hat, begräbt er den Kater seiner Tochter nicht auf dem nahegelegenen, liebevoll von den Kindern angelegten Tierfriedhof, sondern auf einer verborgenen, geheimnisvollen Grabstätte. Schnell wird ihm klar, dass mehr hinter dem unheimlichen Ort steckt – denn am nächsten Tag kehrt der Kater lebendig zurück – jedoch ist er ein anderer als vorher. Doch damit nicht genug: Das Schicksal schlägt erneut zu und verwandelt das Leben der Beteiligten in ein unsagbares Grauen…


„Der Tod war eine verschwommene Vorstellung; der Haustier-Fritof war Wirklichkeit. Auf seinen unbeholfenen Grabinschriften standen Wahrheiten, die sogar Kinderhände greifen konnten.“ – Seite 74


Kaum zu glauben, aber Friedhof der Kuscheltiere ist schon einige Jahre alt – im Jahr 1985 erschien der Roman erstmals in deutscher Übersetzung, 1983 im Original. Doch das Alter spielt bei den Romanen von Stephen King absolut keine Rolle. Nach wie vor hat Pet Sematary, wie das Buch im Original heißt, nichts von seinem Grauen verloren. Vor vielen Jahren habe ich diese Geschichte zum ersten Mal gelesen und nun beim re-read, war der Horrorroman genau so fesselnd wie damals.


Ich habe nun die überarbeitete Neuauflage gelesen, mit einem Vorwort von Stephen King - dieses stammt aus dem Jahr 2000. Hier schildert er nochmal, wie es zu der Entstehung des Romans gekommen ist und warum er gerade dieses Buch vom ihm selbst als am furchtbarsten empfindet.
Wie oben beschrieben, beginnt die Geschichte erst ganz normal und leicht idyllisch – das Grauen schleicht sich nach und nach ein und nimmt gerade zum Ende in einen furchtbaren Verlauf. Die Handlung ist sehr gut zu verfolgen, die Charaktere lernt man sehr gut kennen und die unheimliche Atmosphäre wird mit jeder Seite mehr spürbar.
Besonders gefallen hat mir die Beschreibung des Tierfriedhofs, als der Nachbar Jud die Familie Creed zum ersten Mal dorthin führt. Es wirkt alles sehr geheimnisvoll und etwas unheimlich. Man merkt schnell, dass noch viel mehr dahinter steckt. Doch das ist natürlich nur der Anfang….
Das aktuelle Cover gefällt mir sehr gut – ich finde den Stil und den besonderen Schriftzug der Neuauflagen sehr gelungen.





„Sie erreichten die Lichtung, und der Mond glitt wieder hinter seinem Wolkenriff hervor und tauchte den Friedhof in gespenstisches Licht. Die schiefen Grabmale – Kistenbretter und Dosen, mit Vaters Blechschere geschnitten und dann zu groben Rechtecken flach gehämmert, angeschlagenen Schieferplatten - ragten mit dreidimensionaler Deutlichkeit auf und warfen scharf begrenzte, schwarze Schatten.“ – Seite 125


Mein Fazit: Auch nach weit über 30 Jahren immer noch lesenswert – Friedhof der Kuscheltiere gehört nach wie vor zu den besten und unheimlichsten Romanen von Stephen King. Geheimnisvoll, düster und grausam – nach und nach zieht der typische Stephen King-Horror in die Geschichte ein und überrascht mit einem Verlauf, wie er unheimlicher nicht sein kann. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 






Titel: Friedhof der Kuscheltiere
Autor: Stephen King
Genre: Horror
Seitenanzahl: 608
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 1985
Neuveröffentlichung: 08. Februar 2011