Donnerstag, 11. April 2019

Rezension zu "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" von Joel Dicker

Zum Buch

Das Verschwinden der Stephanie Mailer…

Alles begann am 30. Juli 1994: In Orphea, einem idyllischen Badeort an der amerikanischen Ostküste, wird die Eröffnung des Theaterfestivals gefeiert. Gleichzeitig erschüttert an diesem Sommerabend ein grausames Verbrechen das Städtchen: Der Bürgermeister und seine Familie, sowie eine Passantin werden ermordet. Die beiden jungen Polizisten Jesse Rosenberg und Derek Scott sind die ersten am Tatort, ihnen werden auch die Ermittlungen übertragen. Sie gehen mit größter Sorgfalt vor und machen schließlich einen Schuldigen aus.
Doch zwanzig Jahre später rückt das damalige Verbrechen erneut in den Fokus: Die Journalistin Stephanie Mailer behauptet, dass die beiden Polizisten damals etwas übersehen und sich somit geirrt haben. Ehe Jesse Rosenberg noch genauer nachfragen kann, verschwindet die junge Frau spurlos… Eine erneute Spurensuche beginnt – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart…


„Genau das ist das Problem“, sagte sie zu mir. „Sie haben gesehen, was sie sehen wollten, nicht, was da war. Genau das war auch vor zwanzig Jahren ihr Fehler.“ Das waren ihre letzten Worte. Sie ging und ließ mich mit ihrem Rätsel, ihrer Visitenkarte und der Kopie des Artikels stehen. – Seite 15, eBook


Genau wie schon seine ersten beiden Romane hält auch Das Verschwinden der Stephanie Mailer wieder eine interessante Story bereit: Alles beginnt mit der Journalistin Stephanie Mailer, die bei ihren Recherchen zu einem schrecklichen Vierfachmord, der vor genau zwanzig Jahren geschehen ist, etwas entdeckt, das alles infrage stellt – kurz darauf verschwindet sie spurlos. Und so ermitteln Jesse Rosenberg und Derek Scott sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart – denn damals waren sie mit dem Fall betraut. Bei ihren Ermittlungen kommen einige dunkle Geheimnisse ans Licht, ebenso scheint mysteriöses Theaterstück eine zentrale Rolle zu spielen…
Schauplatz ist ein das kleine Städtchen Orphea in den Hamptons, dessen Idylle scheinbar mehr als trügt. Der Handlungsaufbau ist sehr außergewöhnlich – es gibt regelmäße Zeitsprünge, man erfährt fast alles gleichzeitig: Zum einen, was im Jahr 1994 wirklich passiert ist und zum anderen, was sich aktuell im Jahr 2014 ereignet. Die Abschnitte und Kapitel sind alle mit Datum und der jeweiligen Hauptfigur betitel, sodass man gut den Überblick behält. Anfangs gibt es viele einzelne Puzzleteile – Joel Dicker gelingt es, diese langsam nach und nach zu einem Bild zusammen zu setzen, das man vielleicht so nicht erwartet hat. Was anfangs manchmal seltsam wirkt, gibt später Sinn.
Das einzige, woran ich mich zunächst gewöhnen musste, sind die vielen plötzlichen Perspektivwechsel, die innerhalb der Zeitsprünge stattfinden. Mit den vielen, manchmal etwas schrägen Nebencharakteren wirkt dieses zeitweise etwas wirr. Im Gesamtbild betrachtet macht zwar gerade dieser außergewöhnliche Stil diese Geschichte zu einem besonderen Roman, jedoch wäre hier manchmal weniger mehr gewesen. Zum Ende hin nimmt die Geschichte aber nochmal an Fahrt auf und überrascht!


Als ich den Blick über den Parkplatz schweifen ließ, sah ich Stephanie ins Auto steigen. Sie winkte herüber und rief: „Bis demnächst, Captain Rosenberg.“ Aber es sollte kein „demnächst“ geben. Denn das war der Tag, an dem sie verschwand.“ – Seite 15, eBook


Mein Fazit: Ein packendes Buch, das voller Überraschungen steckt! Das Verschwinden der Stephanie Mailer ist ein gelungener Roman mit einer guten Mischung aus Krimi und Drama mit einem mehr als überraschendem Finale. Der außergewöhnliche Handlungsaufbau mit seinen regelmäßigen Perspektivenwechsel ist zunächst gewöhnungsbedürftig und manchmal etwas wirr, hier wäre weniger mehr gewesen. Abgesehen davon hat mir das Buch aber gut gefallen und ich vergebe vier Sterne.


Meine Bewertung: 





Titel: Das Verschwinden der Stephanie Mailer
Autor: Joel Dicker
Genre: Gegenwartsliteratur / Krimi / Drama
Seitenanzahl: 672
Verlag: Piper


Die Bücher von Joel Dicker:
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Die Geschichte der Baltimores
Das Verschwinden der Stephanie Mailer



Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Samstag, 6. April 2019

Rezension zu "Die Erben der Erde" von Ildefonso Falcones



Die Fortsetzung von Die Kathedrale des Meeres

Barcelona, im Jahr 1387: Der zwölfjährige Hugo Llor hat einen großen Traum: Er möchte eines Tages ein bekannter Schiffsbaumeister werden. Dank Arnau Estanyol, der den Jungen ins Herz geschlossen hat, arbeitet er inzwischen in einer Werft am Hafen. Doch plötzlich kommt alles anders und Hugos Leben ändert sich von Grund auf. Schließlich sucht er sich Arbeit in den Weinbergen und lernt dort die Nichte des jüdischen Weinbergbesitzers kennen – und verliebt sich in sie. Schon bald bekommt Hugo den erschreckenden Hass der unterschiedlichen Volksgruppen hautnah zu spüren. Nach dramatischen Ereignissen nimmt sein Leben eine erneute Wende…




„Alle wussten, wer Arnau Estanyol war, und seine Geschichte flößte ihnen Bewunderung ein. Es gab noch etliche Zeitzeugen, die erzählen konnten, wie viele Dienste er der Zunft und ihren Mitgliedern schon erwiesen hatte. Hugo stellte sich still und leise neben ihn.“ – Seite 10, eBook


Vor mehreren Jahren habe ich den Vorgänger Die Kathedrale des Meeres gelesen und so den Lebensweg der Hauptfigur Arnau Estanyol mit Spannung verfolgt. Auf die Fortsetzung des Romans war ich demnach sehr gespannt. Die Hauptfigur in Die Erben der Erde ist der anfangs zwölfjährige Hugo Llor, dessen Vater auf See verstorben ist. Doch auch Arnau Estanyol begegnen wird hier wieder, für den der Junge eine Art Schützling geworden ist. Jedoch nimmt die Handlung  schon ziemlich am Anfang einen dramatischen Verlauf und für Hugo ändert sich plötzlich alles…
Auf knapp 928 Seiten wird Hugos Lebensgeschichte über viele Jahre bis weit hinein ins Erwachsenenalter erzählt – er erlebt Freud und Leid, Glück und Pech, hat Freunde und Feinde. Es gibt überraschende Wendungen.
Ildefonso Falcones gibt hier das Barcelona Ende des 14./ Anfang des 15. Jahrhunderts sehr gut wieder und beschreibt detailreich den Weinanbau und die Herstellung. Auch das damalige Leben und die historischen Ereignisse sind sehr gut recherchiert und  gut in die Handlung eingearbeitet.
Insgesamt ist Hugos Weg interessant zu verfolgen, jedoch gibt es hier immer wieder Längen, was die Spannung oft dämpft. Es gibt viele packende Abschnitte mit interessanten Entwicklungen, aber dann auch wieder einige Seiten, wo der Geschichte der Schwung fehlt – das fand ich sehr schade. Doch trotz einiger langatmiger Abschnitte lohnt sich das Weiterlesen, denn die Geschichte nimmt  gerade zum Ende hin nochmal an Fahrt auf.


Auch das Meer konnte ihn nicht beruhigen. Er suchte Frieden im Wellenrauschen und in der sanften Brise, doch erinnerte sich nur an Dolcas Verachtung für das Meer: „Es macht nichts anderes, als sich zu bewegen.“ Vielleicht hatte sie recht… - Seite 589, eBook


Noch zu der Frage, ob man dieses Buch auch lesen kann, ohne den Vorgänger zu kennen: Ja. Es gibt  einige kleinere Rückblicke, die wichtig für diese Geschichte sind, aber da die Hauptfigur eine andere ist und einen eigenen und anderen Lebensweg hat, ist „Die Erben der Erde“ auch geeignet für diejenigen, die den ersten Band nicht kennen.

Mein Fazit: Ein umfangreicher historischer Roman, der seine Stärken und Schwächen hat. Besonders gelungen sind die detailreichen Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze und das Barcelona des 14./15. Jahrhunderts. Es gibt viele interessante und packende Abschnitte, jedoch wird es auch regelmäßig etwas langatmig, was die Spannungskurve leider etwas dämpft. Doch auch wenn mich dieses Buch nicht an allen Stellen überzeugen konnte, lohnt es sich, die Geschichte auf jeden Fall zu Ende zu lesen, da sich die Handlung über viele Jahre erstreckt und die Veränderungen, sowohl im Leben der Hauptfigur als auch historisch sehr interessant sind. Von mir gibt es positive drei Sterne.


Meine Bewertung: 




Titel: Die Erben der Erde
Autor: Ildefonso Falcones
Übersetzt von: Michaela Meßner, Laura Haber, Cartsen Regling
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 928
Verlag: Penguin
Erstveröffentlichung: 11. Juni 2018

Die Bücher der Reihe:
Band 1 - Die Kathedrahle des Meeres
Band 2 - Die Erben der Erde



Vielen Dank an das Bloggerportal und C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar!


Montag, 1. April 2019

Monatsrückblick März 2019



Hallo ihr Lieben,
der Buchmessemonat ist vorbei - habt ihr die Leipziger Buchmesse besucht? Ich gehörte leider zu den Daheimgebliebenen, war aber dank den vielen Berichten, Fotos und Tweets immer auf dem Laufenden. Vielen Dank an alle, die fleißig berichtet haben!
Ich habe dafür aber viel gelesen - und es gab viele Highlights in diesem Monat. Sehr gespannt war ich auf die beiden Neuerscheinungen Der Atlas der besonderen Kinder (Ransom Riggs) und Die dunklen Lande (Markus Heitz) - beide Bücher sind sehr lesenswert!
Überrascht hat mich 1793 von Nikals Natt och Dagg - der historische Thriller hat zwar seine ganz eigene Art, ist aber sehr gelungen.
Dann habe ich noch ein Buch gelesen, das viel zu lange auf dem SuB lag: Die Bücherdiebin von Markus Zusak. Hätte ich gewusst, wie toll dieses Buch ist, hätte ich es schon viel eher gelesen.
Passend zur Buchmesse sind dann noch ein paar Bücher bei mir eingezogen. Eine Mischung aus neuen Büchern (Matt Haig) und gebrauchten Schätzen (dank Medimops):



Ein Lesehiglight gab es noch am Ende des Monats - mit Spannung habe ich auf das neue Buch von Matt Haig gewartet. Vor gut drei Jahren habe ich Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben gelesen, das mich sehr beeindruckt hat. Auch sein neues Buch mit dem Titel Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten ist mit viel Herz geschrieben und regt zum Nachdenken an.




Nun noch ein schnelles Update zur Aktion #19für2019. Aktueller Stand: 6/19 Büchern. Meine Liste findet ihr hier: #19für2019 - Meine Leseliste 


  Hier kommt nun meine Monatsstatistik für den März:

Mein Lesemonat in Zahlen

  
  9 gelesene Bücher
4.431 gelesene Seiten
durchschnittlich 142 gelesene Seiten pro Tag

Bewertungen
  7 x 5 Sterne
1 x 4,5 Sterne
  1 x 4 Sterne


Gelesene Bücher im März


Markus Heitz - Die dunklen Lande

Niklas Natt och Dag - 1793

John Grisham - Das Bekenntnis

Markus Zusak - Die Bücherdiebin

Pierre Lemaitre - Die Farben des Feuers
  
Dörte Hansen - Mittagsstunde


Monatshighlights

 
Die dunklen Lande
Markus Heitz

Die Bücherdiebin
Markus Zusak







Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem   nervösen Planeten
Matt Haig

Die Farben des Feuers
Pierre Lemaitre








Lesepläne und Neuerscheinungen



Folgende Bücher möchte ich gern im April lesen:


Ildefonso Falcones - Die Erben der Erde
Joel Dicker - Das Verschwinden der Stephanie Mailer ~ erscheint am 02.04.2019
Sasa Stanisic - Herkunft
Markus Heitz - Die Legenden der Albae 5: Vergessene Schriften 

Ansonsten entscheide ich spontan. :)


Ich wünsche euch einen schönen neuen Lesemonat!

Liebe Grüße, eure Nicole

Samstag, 30. März 2019

Rezension zu "Mittagsstunde" von Dörte Hansen

Zum Buch

Mittagsstunde in Brinkebüll

Ingwer Feddersen ist in dem kleinen Dorf Brinkebüll in Nordfriesland aufgewachsen. Doch später zog es ihn zum Studieren und Arbeiten nach Kiel. Nun kehrt er mit 47 Jahren zurück – denn er hat noch etwas gutzumachen. Seine Großeltern, beide inzwischen über neunzig, leben weiterhin dort – in  einem Dorf, das Stück für Stück verschwindet. Angefangen mit dem Niedergang hat es in den 1970er Jahren nach der Flurbereinigung und dem Verschwinden der Hecken und Vögel. Auch Ingwer verschwand – nach Kiel. Doch im alten Gasthof, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat, hält Ingwers Großvater Sönke weiterhin die Stellung. Doch Ingwer macht sich zunehmend Sorgen, auch um seine verwirrte Großmutter Ella. Er blickt zurück und überdenkt sein eigenes Leben…


„Die Arbeit der Vermessungsingenieure war getan, sie hatten Brinkebüll bereits erledigt, abgehakt. In ihren Flurkarten und Plänen gab es dieses alte Dorf nicht mehr, es war auf dem Papier schon ausradiert, berichtigt und begradigt.“ – Seite 31,eBook


Nach ihrem Debüt Altes Land ist Mittagsstunde der zweite Roman der Autorin Dörte Hansen. Schauplatz hier ist das fiktive nordfriesische Dorf Brinkebüll, das Mitte der 1960er Jahre große Veränderungen  durchmachte und danach Stück für Stück weniger wurde.
Was Dörte Hansen hier besonders gelungen ist: Die detailreiche und atmosphärisch dichte Beschreibung des Dorfes – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Sie fängt viele einzelne kleine Momente des typischen Dorflebens ein und gibt sie auf ihre ganz eigene Art wieder. Ob Sommerhitze und klirrend kalter Winter – bildgewaltig schildert sie die jeweiligen Gegebenheiten.  Aber auch die Charaktere sind sehr gut und stark beschrieben. Die Handlung spielt in der Gegenwart, springt aber auch oft in die Vergangenheit. Dort wird vor allem das Leben von Ingwers Mutter und das der Großeltern beschrieben, sowie seine eigene Kindheit. So setzt sich nach und nach ein Bild zusammen – sowohl von den Haupt- und  Nebencharakteren, als auch vom Dorf selbst, wie es langsam auf das Vergessen zustrebt. Auch kommt hier das typische Dorfleben zur Geltung – Jeder scheint alles zu wissen, es gibt Geheimnisse und oft wird auch einfach weggeschaut:


„Sie hörte alles. Alle hingehaltenen Wahrheiten, wer wen mit wem betrogen hatte, wer Schulden nicht bezahlen konnte, wer schlug und wer geschlagen wurde. (…) Sie kannte dieses Dorf von seiner Unterseite, wusste Dinge, die der Pastor gar nicht wissen durfte und die Polizei auch besser nicht.“ – Seite 113, eBook


Es wird tragisch und auch mal traurig, es gibt Abschiede und ein Neubeginn, aber auch überraschende Entwicklungen.  Nach und nach entfaltet sich die Geschichte des Dorfes und deren Bewohnern und ergibt am Ende ein vollständiges Bild.

Mein Fazit: Ein atmosphärisch dichter Roman, der den Leser schnell packt. Dörte Hansen gibt hier das Damals und das Heute eines fiktiven Dorfes mit ihren ganz eigenem und besonderem Schreibstil wieder. Einen halben Stern ziehe ich ab, da die Zeitenwechsel manchmal etwas durcheinander waren und man sich neu orientieren musste. Doch das ist nur ein winziger Kritikpunkt.  Mittagsstunde ist mal komisch, mal herzlich, aber oft auch berührend – bildgewaltig geschrieben und sehr lesenswert. 4,5 von 5 Sternen.

Meine Bewertung: 




Titel: Mittagsstunde
Autorin: Dörte Hansen
Genre: Roman
Seitenanzahl: 320
Verlag: Penguin
Erstveröffentlichung: 15. Oktober 2018



Vielen Dank an das Bloggerportal und Penguin für das Rezensionsexemplar!