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Ein schweres Bergwerksunglück und seine Folgen
Der Tag vor der Katastrophe: Der 16-jährige Michel fährt mit
seinem geliebten großen Bruder Joseph auf dem Moped durch die Straßen seiner
französischen Heimatstadt. Gemeinsam fühlen sie sich unbesiegbar. Am Tag darauf
kommen bei einem Grubenunglück 42 Bergmänner aufgrund eines fatalen Fehlers der
Werksleitung ums Leben – Joseph stirbt infolge seiner Verletzungen. Michel
flüchtet sich nach Paris, auch um die Worte des Vaters zu vergessen: „Du musst
uns rächen!“ Sein Schmerz aber vergeht
nicht, und so beginnt Michel Jahre später einen Rachefeldzug. Noch weiß er
nicht, dass die Nacht vor dem Unglück anders war, als er es in Erinnerung hat.
(Quelle: Inhaltsangabe - dtv Verlag)
„Auf dem Platz und in den Straßen rundum belagerten Journalisten unsere Verzweiflung. Man sah Tränen auf den Wangen, geballte Fäuste, Bestürzung, aber es viel kein Wort zu viel. Die Resignation in manchen Blicken schmerzte.“ – Seite 42, eBook
Schon beim Lesen der Inhaltsangabe wird klar, dass Am Tag
davor ein sehr bewegendes Buch ist. Sorj Chalandon verwebt in seinem Roman
fiktive Figuren mit einem schweren Bergwerksunglück, das es wirklich gegeben
hat – mit diesem Buch gedenkt er am Anfang auch den 42 Bergleuten, die in der
französischen Zeche Saint-Amé am 27. Dezember 1974 ihr Leben verloren haben.
Das Buch ist in der Ich-Perspektive als eine Erzählung von
Michel Flavent geschrieben. Im Jahr 2014, nach dem Tod seiner Frau, geht er
nochmal zurück in die Vergangenheit – ins Jahr 1974, wo er gerade 16 Jahre alt
war. Bereits auf der ersten Seite wird klar, wie sehr Michel seinen älteren
Bruder Joseph verehrt und geliebt hat. Besonders erschütternd sind daher die folgenden
Schilderungen, wie Joseph mit gerade mal 30 Jahren sein Leben verliert und wie
sehr Michel darunter leidet.
„Ich war an Josephs Tod verwelkt. Meine Jugend war alt geworden.“ (Michel) – Seite 20, eBook
Die Kapitel wechseln anfangs oft zwischen der Vergangenheit
und der Gegenwart. Nach und nach setzen sich so die Ereignisse zusammen - durch
Michels detaillierte Schilderungen erhalten wir einen genauen Einblick in das
Leben seiner Familie, besonders aber in sein eigenes Leben nach Josephs Tod. Später werden dann die aktuellen Geschehnisse
ab dem Jahr 2014 fortgeführt – und diese sind ganz anders als erwartet – der
Verlauf ist sehr überraschend, denn Michel setzt einen folgenschweren Plan in
die Tat um.
Das Buch zieht den Leser von Anfang an in seinen Bann –
atmosphärisch dicht schildert der Autor die Geschehnisse und setzt nach und nach
ein überraschendes Gesamtbild zusammen. Nichts ist so, wie zunächst gedacht –
es wird sehr bewegend und dramatisch mit einem Finale, das überrascht.
Gleichzeitig ist die schwere Bergwerkskatastrophe von 1974
das zentrale Thema – durch Michels Erzählung erfährt der Leser auch, wie das
Leben eines Bergwerksarbeiters aussah. Gerade die Schilderrungen der fehlenden
Sicherheitsmaßnahmen und die ruinierte Gesundheit sind sehr erschreckend.
Mein Fazit: Ein atmosphärisch dichter Roman, der mit seinem
intensiven Schreibstil überzeugt. Sorj Chalandon berichtet hier über ein
schlimmes Unglück im Berbau und verwebt dieses mit einer stark gezeichneten
Hauptfigur. Fesselnd, sehr berührend und mit einem Verlauf, den man so nicht
erwartet – auch, wie manche Wahrheiten ans Licht kommen ist mehr als überraschend.
Ein sehr lesenswertes Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt.
Meine Bewertung:
Titel: Am Tag davor
Autor: Sorj Chalandon
Übersetzt von: Brigitte Große
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 320
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 18. April 2019













